Netzflügler

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Seltene Neuropteren in Bayern: 1. Wesmaelius tjederi  (Kimmins, 1963) mitgeteilt von Axel Gruppe & Dieter Doczkal (gruppe[at]wzw.tum.de, doczkal[at]zsm.mwn.de) am 11.3.2017
 
Als Verbreitungsgebiet  von W. tjederi werden von Aspöck et al. (1980) der Alpenraum sowie einige
südeuropäische Gebirge angegeben. In der Verbreitungskarte wird ein Fundpunkt südlich von
Kelheim angegeben (Aspöck et al. 1980, Band 2, S. 293), der nach den Literaturangaben nicht
verifiziert werden konnte. Nach unserer Kenntnis wurden zwei gesicherte bayerische Nachweise publiziert. Pröse (1995) zitiert den Nachweis von zwei ♂ bei Ohm (1967) „Bavaria mer., Steinebach
am Wörthsee, VII. 1949. leg. F.Daniel“ (in coll. Zoologische Staatssammlung, München). Gruppe (2007) nennt einen Nachweis in Bayern ohne Fundortangaben. Dieser sei hiermit nachgetragen: 1 ♂
D Bayern Traunstein Schellenberg  NWR Kienberg  1700m; 20.08.1996, Lichtfang, leg. H.Hacker, det. A.Gruppe. Aus dem Nationalpark Berchtesgaden liegt ein weiteres Tier vor: 1 ♂ D Bayern
Nationalpark Berchtesgaden Trischübl 1700m; 18.07.2006 Malaisefalle, leg. J. Voith, det. A. Gruppe.

Im Jahr 2014 wurden im Rahmen des Projekts Barcoding Fauna Bavarica der Zoologischen
Staatssammlung München (www.faunabavarica.de) insgesamt 30 Individuen von W. tjederi mit drei (von 12) Malaisefallen gefangen. 1♀ 1♂ D Bayern Ostallgäu Schochen, 1900-1910m, 17.07.2014, Malaisefalle 2, leg. D.Doczkal, S.Schmidt, J.Voith; 4♂ dto, 2010m; 17.07.2014, Malaisefalle 4, leg. D.Doczkal, S.Schmidt, J.Voith; 1♂ dto, 2030-2040m; 06.08.2014, Malaisefalle 3, leg. D.Doczkal, S.Schmidt, J.Voith; 5♀ 15♂ dto, 2010m; 06.08.2014, Malaisefalle 4, leg. D.Doczkal, S.Schmidt, J.Voith; 1♀ 2♂ dto, 2010m; 04.09.2014, Malaisefalle 4, leg. D.Doczkal, S.Schmidt, J.Voith; alle det. A. Gruppe.  

Die Malaisefallen am Schochen standen auf alpinen Matten auf den nach Süden abfallenden Hängen
unterhalb des Gipfelgrats. Das Grundgestein ist hier Fleckenmergel, auf dem sich eine dichte,
geschlossene Vegetation aus Gräsern und Hochstauden etabliert hat. In der näheren Umgebung
kommen keine Bäume oder Sträucher vor. Falle 4, in der die meisten Individuen gefangen wurden,
stand am Fuß einer südexponierten Felswand. Das Larvenhabitat ist unbekannt. Die meisten
bisherigen Nachweise erfolgten durch Lichtfang oder Abklopfen von Sträuchern und Bäumen in
Höhen über 1000m. Giacomino (2011) beschreibt den Nachweis der Art in den Ost-Pyrenäen in
einem ähnlichen, vegetationsreichen Habitat, gibt jedoch an, dass das Individuum von einzelnen
Pinus uncinata geklopft wurde (leg. Le Doaré, 15.07.2009).  

Aufgrund der wenigen Nachweise wurde W. tjederi in der Roten Liste der Netzflügler Bayerns (Pröse
& Gruppe, 2003) als extrem selten (R) geführt.  Die hier genannten Nachweise zeigen, dass trotz der
Seltenheit die Art lokal in beachtlicher Populationsdichte auftreten kann. 27 von 30 Individuen
wurden in einer Malaisefalle in einem Zeitraum von 6 Wochen gefangen. Da besonders der
bayerische Alpenraum neuropterologisch sehr mangelhaft bearbeitet wurde, kann die tatsächliche
Verbreitung von W. tjederi nicht abschließend bewertet werden. Die Nachweise in den Hochlagen
vieler mittel- und südeuropäischer Gebirge (Aspöck et al. 1980, Giacomino, 2011) und sowohl am
östlichen wie am westlichen Rand der Alpen in Deutschland lassen vermuten, dass in Deutschland
der gesamte Alpenraum besiedelt ist. Der Schochen ist auch in anderen Insektengruppen für seinen
Reichtum an seltenen Arten bekannt. Während W. tjederi am Schochen in drei von fünf Fallen
gefunden wurde, liegen  von weiteren drei Fallen am Koblat und vier Fallen im Oytal keine Nachweise
vor.   
LiteraturAspöck, H., Aspöck, U. & Hölzel, H., 1980: Die Neuropteren Europas. Band I und II. – Goecke & Evers, Krefeld.    Giacomino, M., 2009: Wesmaelius (Kimminsia) tjederi (Kimmins, 1963) Hemerobiinae nouveau pour la faune de France (Neuroptera, Hemerobiidae). Revue de l’Association roussillonnaise d’Entomologie XX(1): 13-16.  Gruppe, A., 2007: Ungewöhnliche Funde von Neuropteren. DGaaE-Nachrichten 21(3), 141-142.  Ohm, P., 1967: Zur Kenntnis der Gattung Boriomyia Banks 1905 (Neuroptera: Hemerobiidae). Reichenbachia 8 (29), 227-246.   Pröse, H. & Gruppe, A., 2003: Rote Liste gefährdeter Netzflügler (Neuropteroidea) Bayerns. – Schriftenreihe Bayerisches Landesamt für Umweltschutz 166: 95-98.   Zitiervorschlag: Gruppe, A. & Doczkal, D. 2016: Seltene Neuropteren in Bayern: 1. Wesmaelius tjederi  (Kimmins, 1963). Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [11.03.2016]