Käfer

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Herbert Fuchs (herbertsfuechse[at]online.de) oder Jürgen Schmidl (jschmidl[at]bioform.de)

Nachweis von Liothorax plagiatus (Coleoptera, Scarabaeidae) an einer Biotopteichanlage im Süden Erlangens. Mitgeteilt von Reiner Büttner am 25.04.2020.

Im Zuge der Nachverdichtung eines bestehenden Wohnviertels im Süden von Erlangen („Jaminpark“) werden derzeit auch mehrere habitatverbessernde Maßnahmen durchgeführt. Der Fokus liegt dabei auf dem Erhalt und der Ausweitung autochthoner Sandmagerrasen, die sich als Offenflächen zwischen den Wohnblöcken befinden, es wurden aber auch einige künstliche Kleingewässer zur Strukturanreicherung angelegt. Am 16. und 17.04.2020 wurden sowohl einige Sandflächen als auch zwei der Gewässeranlagen vom Verfasser kursorisch auf Käfer und Wanzen hin untersucht. Dabei wurden an einem der Biotopteiche mehrere Exemplare von Liothorax plagiatus (L., 1767) gefunden.

Abb. 1: Liothorax plagiatus auf feuchtem Sand

Auffindesituation: Zwischen neu errichteten Wohnhäusern und sanierten Wohnblöcken wurden drei Kleingewässer angelegt. Der Grund der Mulden ist mit einer starken Sandschicht bedeckt, wie die Abdichtung zum sandigen Untergrund hin erfolgte, ist nicht bekannt. Die Anlagen wurden offenbar im Jahr 2019 fertig gestellt und auch schon mit Wasser befüllt. Bedingt durch das niederschlagsarme Frühjahr 2020 waren die Wasserstände in allen drei Biotopteichen stark abgesunken, nur noch ein Teich führte Mitte April noch etwas Restwasser (siehe Abb. 2). Das sandige Substrat am Teichboden war noch gut durchfeuchtet, nicht zuletzt wegen der Schicht aus Falllaub, die sich offenbar seit dem letzten Herbst in den Mulden angesammelt hatte und die Verdunstung stark bremste.

Auf der Suche nach Käfern wurde diese feuchte Laubschicht, die sich in unterschiedlichen Stadien der Zersetzung befand, stückweise per Hand durchstöbert. An einer Stelle wurden dabei an der Grenzschicht Sandsubstrat / Laubschicht mehrere 3 - 4 mm kleine, schwarze Scarabaeidae gefunden. Mangels Nahrungsgrundlage konnte eine koprophage Art nahezu ausgeschlossen werden, die Fundsituation unter altem, verrottendem Laub passte jedoch sehr gut zu saprophagen Arten. Einige Tiere wurden zur Bestimmung eingesammelt und konnten, auch genitalmorphologisch bestätigt, als Liothorax plagiatus angesprochen werden.

Die Koordinaten des Fundorts lauten: 49.578616, 11.010892 (GK 4), 285 m üNN.

 

Abb. 2: Blick auf den Fundort von L. plagiatus innerhalb der Wohnbebauung

Ökologie: Liothorax (ehem. Aphodius) plagiatus gilt als stenotop hygrophil und ist zumindest halotolerant. Die Tiere werden an feuchten bis sumpfigen Stellen im Offenland gefunden, häufig im Küstenbereich oder an Binnenlandsalzstellen. Eine Bevorzugung bestimmter Substrate scheint nicht vorzuliegen, allerdings ist fehlende oder spärliche Vegetation eine Gemeinsamkeit vieler Nachweisorte. Sowohl die Larven als auch die Imagines sind phytosaprophag (Dellacasa et al. 2007, Rössner 2012), Tiere werden nur ausnahmsweise und vereinzelt unter Dung gefunden (vgl. Hannig et al. 2016).

Das Hauptverbreitungsgebiet von L. plagiatus ist Nord- und Ostdeutschland, nach Westen und Süden werden die Funde spärlicher (vgl. auch Bleich et al. 2020). Die Art ist in der planaren und kollinen Stufe verbreitet, aber nur stellenwese häufig (Rössner 2012). Sie gilt gemäß der bundesdeutschen Roten Liste als „ungefährdet“ (Geiser 1998), die noch gültige Rote Liste Bayerns führt sie unter der Kategorie „D – Daten defizitär“ (Jungwirth 2003).

Der Fund der Art an dem relativ frisch angelegten Biotopteich war etwas überraschend. Das Wohngebiet ist von trockenen Sandmagerrasen geprägt und abgesehen von einzelnen Gartenteichen ist im näheren Umkreis kein echtes Feuchtgebiet zu finden. Als nächstgelegene naturnahe Habitate mit größeren Dimensionen kämen einerseits die Regnitzaue im Westen, andererseits einige Teiche im östlich gelegenen Sebalder Reichswald in Frage. Beide sind in etwa 2 km Entfernung vom Fundort entfernt. Die Art ist in der Lage, auch fragmentarisch verteilte Klein- und Kleinsthabitate mit passenden Bedingungen zu besiedeln. Diese können offensichtlich als Trittsteine auch in urbanen Gebieten genutzt werden.

Literatur: Bleich, O., Gürlich, S. & F. Köhler (2020): Verzeichnis und Verbreitungsatlas der Käfer Deutschlands. - World Wide Web electronic publication http://www.coleokat.de/de/fhl/ [22.04.2020].  Dellacasa, M, R., Gordon, D., & G. Dellacasa (2007): Systematic review to the genus Liothorax (Coleoptera: Scarabaeoidea: Scarabaeidae: Aphodiinae). Zootaxa 1407: 23-42.  Geiser, R. (1998): Rote Liste der Käfer (Coleoptera); Lamellicornia (Blatthornkäfer s. l.). In: BfN (Hrsg): Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands, Bonn-Bad-Godesberg, S. 212-214.  Hannig, K., Drewenskus, J. & C. Kerkering (2016): Die Dungkäferfauna (Coleoptera: Scarabaeoidea) eines Emsweide-Komplexes bei Saerbeck (Kreis Steinfurt, Nordrhein-Westfalen). Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, Band 82, S. 3-59.  Jungwirth, D. (2003): Rote Liste gefährdeter Blatthornkäfer (Coleoptera: Lamellicornia) Bayerns. In: Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Umwelt 166, Augsburg, S. 146-149.  Rössner, E. (2012): Die Hirschkäfer und Blatthornkäfer Ostdeutschlands (Coleoptera: Scarabaeoidea). Verein der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums Erfurt e. V., Erfurt, 508 S. Zitatvorschlag: Büttner, R. (2020): Nachweis von Liothorax plagiatus (Coleoptera, Scarabaeidae) an einer Biotopteichanlage im Süden Erlangens. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [25.04.2020].  Anschrift des Verfassers: Reiner Büttner, IVL, Georg-Eger-Str. 1b, 91334 Hemhofen

Mecaspis alternans (Herbst., 1795) in Bayern. Mitgeteilt von Heinz Bußler am 21.04.2020

Der Marmorierte Steppenrüssler (Mecaspis alternans) wurde am 11.04.2018 erstmalig in Nordbayern bei Gastenfelden gefunden (Fuchs & Bußler 2019). Dies war der zweite Nachweis aus Bayern. Ingo Wolf konnte die Art 1986 erstmals in Bayern in einem Exemplar bei München-Neuaubing finden. Seither wurde sie in Südbayern nicht mehr nachgewiesen.  

Abb. 1: Mecaspis alternans, Gastenfelden 7.04.2020 (Foto: H. Bußler)

Im NSG Kühkopf bei Gastenfelden konnten nun am 7.04.2020 ein Exemplar und am 16.04.2020 zwei weitere Exemplare beobachtet und fotografiert werden. Der Standort ist ein schafbeweideter, südexponierter Halbtrockenrasen der tonig-lehmigen Lehrbergschichten im Hangbereich und der Verwitterungsböden des Blasensandsteins auf dem Plateau. 

Abb. 2: NSG Kühkopf bei Gastenfelden (Foto: H. Bußler)

Abb. 3: Mecaspis alternans, Gastenfelden 16.04.2020 (Foto: H. Bußler)

Nach Rheinheimer & Hassler 2010 ist der Marmorierte Steppenrüssler eine xerothermophile Art, die nur die wärmsten Biotope mit offenen Bodenstellen besiedelt. Futterpflanze ist die Wilde Möhre (Daucus carota L.). Die Larven leben in der verdickten Wurzel (Möhre) und fressen diese von innen heraus.

In den weiter nordwestlich gelegenen pannonischen Steppenreliktstandorten der Myophorien- und Estherienschichten, Gipshügel bei Külsheim, Nordheim und Sulzheim oder am Hohenlandsberg bei Weigenheim konnte die Art weder historisch (Gauckler 1957) noch aktuell nachgewiesen werden. Dies sind jedoch bis heute Standorte der ebenfalls sehr seltenen Steppenrüssler Leucophyes occidentalis Dieckmann, 1982, Pseudocleonus cinereus (Schrank, 1781) und Liparus dirus (Herbst, 1795).

Nachweise von Mecaspis alternans in Deutschland (Grafik: coleokat)

Literatur: Fuchs, H. & H. Bußler 2019: 36. Bericht der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer  Koleopterologen. Nachrichtenblatt bayerischer Entomologen 68 (1/2), S. 7.  Gauckler, K. 1957: Die Gipshügel in Franken, ihr Pflanzenkleid und ihre Tierwelt. Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt/Aisch, 92 S.  Rheinheimer, J. & M. Hassler 2010: Die Rüsselkäfer Baden-Württembergs.- Verlag Regionalkultur, Karlsruhe, 457-458. Zitiervorschlag: Bußler, H. 2020: Mecaspis alternans (Herbst., 1795) in Bayern. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [21.04.2020].  Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.

Nachweise zweier seltener Blatthornkäfer (Trichonotulus scrofa und Omaloplia nigromarginata) im Münchener Osten. Mitgeteilt von Reiner Büttner am 29.03.2020

Im Sommer 2019 wurden auf dem offenen Gelände westlich des Münchner Messegeländes Riem, das zum Teil als Bauland genutzt werden soll, einige Grünlandflächen und Gehölze zur Eingriffsbewertung auf ihren Insektenbestand untersucht. Neben einigen Blühsäumen und kleineren Gehölzstrukturen in Ackerrandlage wurden v.a. folgende Habitattypen untersucht: Saum- und Heckenstrukturen
Brachflächen und Ruderalbereiche (teils mit Gehölzen); Unbeweidetes, mesotrophes Grünland; Beweidetes Offenland mit Magerstandorten. Zum Einsatz kamen Bodenfallen, Kescher und Klopfschirm. Die Erfassungs- bzw. Fallenleerungstermine waren:

23.05.2019 (Gebietserkundung, Keschern, Einsetzen der Bodenfallen)
19.06.2019 (Keschern, Klopfen, erste Leerung der Bodenfallen)
10.07.2019 (Keschern, Klopfen, zweite Leerung der Bodenfallen)
13.08.2019 (Keschern, Klopfen, dritte Leerung und Abbau der Bodenfallen)

Bemerkenswerte Nachweise:

Trichonotulus scrofa (Fabricius, 1787) (Coleoptera, Scarabaeidae): Die Art wurde am 19.06.2019 in einer Bodenfalle am Rand einer langgestreckten Baumhecke im Übergang zu einer artenreichem, extensiv genutzten Mähwiese mit einem Einzeltier nachgewiesen (48°07´38´´ N, 11°40´54´´ E, 530 m üNN). In geringer Entfernung befindet sich eine größere Grünlandfläche, die gelegentlich von Schafen beweidet wird. Das gesamte Offengelände wird zudem stark von Spaziergängern und als Hunde-Ausführgelände genutzt.

Abb. 1: Am Rand der Hecke befand sich die Bodenfalle, in der Trichonotulus scrofa gefunden wurde, im vorgelagerten Grünland wurden mehrere Exemplare von Omaloplia nigromarginata gekeschert

Omaloplia nigromarginata (Herbst, 1786) (Coleoptera, Melolonthidae): Die Art konnte am 10.07.2019 mit mehreren Exemplaren durch Keschern in der selben extensiv genutzten Mähwiese erfasst werden (48°07´36´´ N, 11°40´51´´ E, 230 m üNN). Ein weiteres Individuum stammt von einer kleinen verbuschenden Brachfläche, etwa 280 m südwestlich davon (48°07´24´´ N, 11°40´42´´ E, 530 m üNN).

Abb. 2: Verbuschende Brachfläche, auf der Omaloplia nigromarginata mit einem Einzeltier nachgewiesen wurde.

Ökologie

Der nur 3-4 mm kleine Dungkäfer Trichonotulus (ehem. Aphodius) scrofa lebt typischerweise in offenen bis halboffenen Landschaften mit magerem bis mäßig frischem Grünland auf wasserdurchlässigem Boden. Stellen mit spärlicher, lückiger Vegetation gehören ebenfalls zum charakteristischen Habitat. Es besteht wohl eine Tendenz zu Xerophilie. Die Tiere treten nur selten in größerer Anzahl auf, meist werden nur Einzelindividuen gefangen (Rössner 2012, Büttner 2016). Die Art gilt gemäß der bundesdeutschen Roten Liste als „gefährdet“ (Geiser 1998), in der Roten Liste Bayerns wir sie als „vom Aussterben bedroht“ geführt (Jungwirth 2003). Ob diese Einschätzungen noch korrekt sind, ist unklar. Die Tiere sind koprophag und bevorzugen Schafdung, dessen Vorkommen durch die gelegentliche Beweidung einer nur rund 250 m vom Fundort entfernten Fläche gewährleistet ist. Die Art ist nicht notwendigerweise an Weidetiere gebunden, auch Hundekot wird angenommen. Daran herrscht entlang der Fahr- und Fußwege ganzjährig kein Mangel. Gemäß der strengen Habitatansprüche ist anzunehmen, dass die beweidete Fläche mit ihrer lückigen Vegetationsstruktur zum Lebensraum von T. scrofa gehört, auch wenn dort kein Nachweis gelang.

Omaloplia nigromarginata ist mit nur 6-7 mm ebenfalls sehr klein. Die Art hat zwar ein sehr weites Areal, sie ist jedoch in Deutschland an ihrer westlichsten Verbreitungsgrenze und sehr selten. Laut Jungwirth (2003) ist der bayernweite Status „vom Aussterben bedroht“. In der deutschen Roten Liste (Geiser 1998) ist O. nigromarginata nicht berücksichtigt. Sie wird dort vermutlich noch unter dem veralteten Taxon Homaloplia alternata verstanden und als Omaloplia alternata geführt (zur Synonymie vgl. Rössner & Ahrens 2004). Damit hätte O. nigromarginata aktuell ebenfalls den Status „vom Aussterben bedroht“. Die Art ist ausgesprochen stenotop, sie kommt auf mageren, trockenen Wiesen mit kurzwüchsigen oder vegetationsfreien Bereichen vor. Die Populationen sind fast stets isoliert und oft auf kleine oder kleinste Flächen beschränkt (Rössner 1995, 2012).

Es ist zu vermuten, dass neben den beiden Fundstellen auch das magere, extensiv genutzte Grünland gut 250 m weiter nordwestlich zum lokalen Lebensraum gehört, die Habitatbedingungen passen. Allerdings wurde diese Fläche während der Hauptflugzeit der Art (Mitte/Ende Juni 2019) gemäht und das Mähgut liegen gelassen. Dies stellt für sensible Spezies einen empfindlichen Eingriff dar, was möglicherweise einen Nachweis dort verhinderte.

Literatur:  Büttner, R. (2016): Erfassung des Artenspektrums von Dungkäfern im Naturschutzgebiet „Tennenloher Forst“ unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses von Anthelminthica. Unveröffentliches Manuskript IVL, Hemhofen, 40 S.  Geiser, R. (1998): Rote Liste der Käfer (Coleoptera); Lamellicornia (Blatthornkäfer s. l.). In: BfN (Hrsg): Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands, Bonn-Bad-Godesberg, S. 212-214.  Jungwirth, D. (2003): Rote Liste gefährdeter Blatthornkäfer (Coleoptera: Lamellicornia) Bayerns. In: Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Umwelt 166, Augsburg, S. 146-149.  Rössner, E. (1995): Verbreitung der Gattung Omaloplia Schönherr, 1817 in der Bundesrepublik Deutschland (Col., Melolonthidae, Sericinae). Entomologische Nachrichten und Berichte 39, 1995/4, S. 213 - 217.  Rössner, E. (2012): Die Hirschkäfer und Blatthornkäfer Ostdeutschlands (Coleoptera: Scarabaeoidea). - Verein der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums Erfurt e. V., Erfurt, 508 S.  Rössner, E. & D. Ahrens (2004): Chorologie und Taxonomie der Gattung Omaloplia (Coleoptera: Scarabaeidae: Sericini). Deutsches Entomologisches Institut, Müncheberg, 153 S.   Zitatvorschlag: Büttner, R. (2020): Nachweise zweier seltener Blatthornkäfer (Trichonotulus scrofa und Omaloplia nigromarginata) im Münchener Osten. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [29.03.2020]  ​ Anschrift des Verfassers: Reiner Büttner, IVL, Georg-Eger-Str. 1b, 91334 Hemhofen

 

Divales bipustulatus (Fabricius, 1781) (Dasytidae, vormals Melyridae, Wollhaarkäfer) - ein sehr seltener Fund in Deutschland. Mitgeteilt von Leo Weltner am 10.10.2019

Seit 2010 kartiert der Kreis Nürnberger Entomologen e.V. die Insektenfauna des Tiergarten Nürnberg. Am 8. August diesen Jahres fand eine unserer Kartierungsbegehungen auf dem Gelände des Tiergartens statt. In der Nähe des Manatihauses, an einer halbtrockenen bis trockenen Stelle, fand der Verfasser ein kopulierendes Käferpaar in der Blüte einer Rispen-Flockenblume  (Centaurea stoebe s.l.  L.). Genauer Fundort: Tiergarten Nürnberg (TGN) Nähe Manatihaus: 49°26'50"N 11° 8'23.90"E

Belegfoto von Divales bipustulatus aus dem Tiergarten Nürnberg. Foto L. Weltner
Die auffällige rot-schwarze Färbung, die Käfer sind etwa 5-6 mm groß, ließ auf eine schnelle Bestimmung hoffen. Das war leider ein Irrtum. Auch in Reitter´s Fauna Germanica Käfer letzten Jahrhunderts findet sich die Gattung in den Farbtafeln nicht. So fotografierte ich die Käfer und schickte die Bilder an Herbert Fuchs, München.  In kürzester Zeit erhielt ich folgende Antwort: "Bei dem zweifarbigen Käfer handelt es sich eindeutig um Divales bipustulatus (Familie Dasytidae, vormals Melyridae - Wollhaarkäfer). Für diesen Südeuropäer gibt es aus Deutschland nur einen älteren Nachweis aus Baden. Horion (1953) gibt dazu an: Schon von Panzer und Küster für Süddeutschland angegeben, nach Kiesenwetter, 1863; ein genauer Fundort ist nie bekannt geworden. In FHL Band 6 ist angegeben: „Südeuropa, früher angeblich auch in Mitteleuropa gefunden." Die unbelegte Angabe für die Fränkische Schweiz bei Zauppenberg, nach Krauß 1905, ist sehr unwahrscheinlich. [Anmerkung des Redakteurs (JS); Die Artenliste von Krauß (1905) für die Fränkische Schweiz ist voll von (eitelkeitsbedingten?) Falschangaben, so auch hier. Sollte generell nicht beachtet und bibliographisch unterdrückt werden] .

Damit ist zum ersten Mal ein Nachweis von Divales bipustulatus aus Bayern dokumentiert. Eine Verschleppung der sehr auffälligen Art (über Gartenblütenpflanzen) ist jedoch anzunehmen, da es schon sehr verwunderlich ist, weshalb die Art nicht schon in den letzten Jahren angetroffen wurde. Im Übrigen ist dies der einzige aktuelle Fund für ganz Deutschland!

Herbert Fuchs leitete die Informationen an Andreas Kopitz, Amt Wachsenburg (Ilm-Kreis, Thüringen) weiter, der weitere Informationen beitrug: Divales bipustulatus ist im Pal.Cat. für Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Schweiz und Nordafrika (Tunesien, Algerien, Marokko) gemeldet. (...) Die Meldungen aus Frankreich liegen im Südosten (in den Provence häufig), könnten also mit diesem Fund in einem Zusammenhang stehen. Robert Constantin und Gianfranco Liberti bezeichnen in ihrem Buch „Coléoptères Dasytidae de France“ (2011) den Fund aus Baden auch nicht als Verschleppung.

Die Art entwickelt sich (soweit man weiß) in alten Hölzern, wo sich die Larven räuberisch ernähren. Eine Verschleppung ist also möglich, aber in meinen Augen nicht zwingend notwendig. Gerne hätte ich mehr zur Lebensweise und Biologie dieses, in Mitteleuropa seltenen Käfers, erfahren, leider ist, auch im Internet, die Datenlage ausgesprochen dünn.

Zu großem Dank bin ich Herbert Fuchs, München, für die Bestimmung und die Informationen, sowie Andreas Kopitz, Amt Wachsenburg, für die weitergehenden Informationen verpflichtet. Ich danke auch Rudolf Höcker, Eckental bei Nürnberg, für die Artbestimmung der Flockenblume.

Literatur: Constantin R. & G. Liberi 2011: Coléoptères Dasytidae de France. Musée des Confluences, Lyon; Société Linnéenne de Lyon.  Freude H., Harde K. & Lohse G.H. 1979: Die Käfer Mitteleuropas 6. Goecke & Everes, Krefeld. Horion A. 1953: Faunistik der Mitteleuropäischen Käfer, Bd. III, Malacodermata, Sternoxia (Elateridae - Throscidae)., Eigenverlag Museum Frey, München.  Reitter E. 1908-1916: Fauna Germanica Käfer.  Zitiervorschlag: Weltner, L 2019: Divales bipustulatus (Fabricius, 1781) (Dasytidae, vormals Melyridae, Wollhaarkäfer) - ein sehr seltener Fund in Deutschland. Mitgeteilt von Leo Weltner am 10.10.2019. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [10.10.2019].  Anschrift des Verfassers: Leo Weltner, 90513 Zirndorf, Kranichweg 19.

 

Ein Fund des seltenen Natterläufers Polistichus connexus (Fourcroy, 1785) (Col., Carabidae) im NSG Tennenloher Forst bei Erlangen/Mfr. Mitgeteilt von Rudi Tannert und Georg Wolfrum am 21.9.2019

Zusammenfassung: Im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst bei Erlangen/Mfr. konnten die Verfasser erstmals die Laufkäferart Polistichus connexus (Fourcroy, 1785) beobachten. Das NSG besteht hauptsächlich aus lichtem Kiefernwald, Offensanden, Heideflächen und wenigen Feuchtstellen sowie vielerlei Sträucher und Gebüsche.

Anläßlich eines Leuchtabends am 24. August 2019 beobachteten wir am Leuchtturm eine kleine schwarzbraune Laufkäferart, welche wir als Lepidopterologen zunächst nicht ansprechen konnten. Gezählt wurden 12 Tiere, sicher wurden auch einige übersehen. Man kann daher wohl lokal von häufigem Auftreten sprechen. Die Autoren konnten die Art bisher, mit der Tennenloher Ausnahme, noch nie und nirgends beobachten. Die Nachttemperatur hat noch gegen Mitternacht über 20 ° betragen, was dem Anflug des wärmeliebenden Tieres sicher entgegenkam.

Abb: Polistichus connexus. Foto: Lech Borowiec.

Am nächsten Tag zu Hause stellte sich der Käfer als Polistichus connexus (Fourcroy, 1785) aus der Familie der Laufkäfer (Carabidae) heraus. Bestätigt wurde die Art auch von Ludwig Ebner, Weiden. Über die Art selbst sind die Literaturangaben recht spärlich, obwohl sie in alter wie auch neuer Literatur als in Deutschland vorkommend geführt und als sehr selten bezeichnet wird (Hurka 1996). Zum Großteil handelt es sich um einzelne Funde, um so erstaunlicher ist das Tennenloher Auftreten zu betrachten. Nicht auszuschliessen ist auch, daß die knapp ca. 1 cm kleine und schmale Art von so manchen Kollegen übersehen wird, die Autoren schliessen sich hier nicht aus.

Die Art stammt ursprünglich aus Südosteuropa (Bulgarien, Rumänien) und ist in den letzten Jahrzehnten in Ausbreitung begriffen. Sie ist offenbar sehr wärmeliebend, flugfähig und wanderfreudig. Genannt werden Beobachtungen in Baden Württemberg, Rheinland-Pfalz, südl. Brandenburg, Sachsen-Anhalt und auch Nordbayern (Friedrich 2012). Sicher haben weitere Besiedlungen stattgefunden.

Eine Aussage über Lebensraumansprüche möchten wir aufgrund der Vielseitigkeit des NSG zumindest zunächst nicht zu treffen, ebenso ist über die Biologie nur wenig bekannt.

Literatur: Friedrich, H. 2012: Polistichus connexus Geoffroy in Fourcroy, 1785 – Erstnachweis für die Rheinprovinz (Col., Carabidae). Mitteilungen der Arbeitsgemeeinschaft Rheinischer Koleopterologen (Bonn) 22 (1–4), 2012, 5–7.  Hurka K. 1996: Carabidae of the Czech and Slovak Republics. Kabourek, Zlin.  Zitiervorschlag: Tannert R. & Wolfrum G. 2019: Ein Fund des seltenen Natterläufers Polistichus connexus (Fourcroy, 1785) (Col., Carabidae) im NSG Tennenloher Forst bei Erlangen/Mfr. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [26.09.2019].  Anschrift der Verfasser: Rudi Tannert, Josef-Simon-Strasse 52, 90473 Nürnberg; Georg Wolfrum, Viatisstrasse 2e, 90480 Nürnberg.

Sulcacis bidentulus (Rosenhauer, 1847) in Bayern. Mitgeteilt von Heinz Bußler am 06.08.2019

Sulcacis bidentulus wurde 1847 nach Exemplaren aus Tirol und Italien beschrieben (Rosenhauer, 1847). Die Hauptvorkommen von Sulcacis bidentulus in Deutschland liegen, abgesehen von Streufunden, in den Stromsystemen des Ober-und Niederrheins, vereinzelt wurde die Art auch im Einzugsbereich der von Pappelpflanzungen gesäumten Flüsse Enz und Neckar gefunden (Reibnitz, 1999). Aus Bayern ist nur eine historische Meldung dokumentiert: „Passau, Waltl leg. ca. 1840; 1 Ex. coll. Schilsky Z.M.B [Zoologisches Museum Berlin]. Da sonst aus Bayern ganz unbekannt, wohl Fundortverwechslung“ (Horion, 1961). In Südbayern gelangen C. Hirgstetter und J. Reibnitz 1994 erste aktuelle Nachweise bei Prien und Grabenstätt am Chiemsee (Reibnitz, 1999). In Ostbayern wurde die Art von J. Müller 2006 bei Pocking in den Innauen festgestellt und 2008 in den Donauauen bei Deggendorf. Die Nachweise von J. Müller in den Inn- und Donauauen zeigen, dass auch der Nachweis von 1840 aus der Umgebung von Passau nicht auf einer Fundortverwechslung beruht. Bei gezielter Nachsuche an Inn und Donau sind weitere Vorkommen mit Sicherheit zu erwarten.  

Sulcacis bidentulus ♂ (Foto: J. Reibnitz)

Am 28.02.2019 wurde von S. Finnberg ein totes Exemplar aus einem Pilz an einer toten Zitterpappel südöstlich Lenkersheim, Lkrs. Bad Windsheim-Neustadt Aisch, geborgen (det. H. Bußler). Am gleichen Fundort wurden am 15.07.2019 zwei lebende Exemplare gesammelt (leg. et det. H. Bußler). Der bevorzugte Brutpilz der Art ist die Blasse Borstentramete (Coriolopsis trogii), deren Hauptsubstrat Totholz verschiedener Pappelarten ist (Krieglsteiner, 2000). Die Hauptverbreitung liegt in der planaren Stufe, die höchste Fundstelle in Baden-Württemberg um 500 m ü.NN. Beim Fundort Lenkersheim handelt es sich um einen ehemaligen Mittelwald mit hohen Anteilen von ca. 60 bis 80 Jahre alten Zitterpappeln (Populus tremula) auf dem Frankenhöhenanstieg in einer Höhe von 447 m ü.NN.

Aktuelle Verbreitung von Sulcacis bidentulus in Deutschland (Grafik: ColKat)

Reibnitz 1999 bezeichnet Sulcacis bidentulus als ein typisches Faunenelement der oberrheinischen Auenwälder, mit Bindung an ein warmes Klima. Was sich mit der Höhenverbreitung der Pilzart deckt. Die Fundstellen um den Chiemsee liegen in einer Höhe von 520 m ü.NN., alle anderen bayerischen Standorte zwischen 310 und  447 m ü.NN.

Blasse Borstentramete (Coriolopsis trogii) an totem Zitterpappelholz im Stadtwald Bad Windsheim bei Lenkersheim (Foto: H. Bußler)

Weitere charakteristische Käferarten am Zitterpapppelholz bei Lenkersheim waren Saperda perforata, Rusticoclytus rusticus, Agrilus suvorovi, Agrilus ater, Cerylon deplanatum,Trypophloeus binodulus, Xyleborus cryptographus und Hololepta plana.

Sehr bemerkenswert ist der Nachweis von Sulcacis bidentulus bei Lenkersheim deshalb, da es sich nicht um einen Auwald oder um eine Pappelplantage handelt, sondern um einen Landwald, der bedingt durch die historische Mittelwaldwirtschaft einen hohen Anteil an alten Zitterpappeln aufweist, wie er im durchschnittlichen Wirtschaftswald nicht zu finden ist, da die Aspe mit den anderen „Weichhölzern“ bei Durchforstungen zugunsten von Wirtschaftsbaumarten nach wie vor entnommen wird. In der Bundeswaldinventur wird die Zitterpappel mit Birken, Weiden und Ebereschen unter der Kategorie „andere Laubbaumarten mit niedriger Lebenserwartung“ subsummiert. Sie haben laut der 3. Bundeswaldinventur 2012 in Bayern einen Anteil von 7,7 Prozent. Detaillierte Daten zur Verteilung, zu Flächenanteilen oder der Altersstruktur dieser Baumarten gibt es nicht. Dies ist unverständlich, da diese Baumarten für die Biodiversität in den Wäldern elementar sind. Von ihrem Vorkommen sind alleine hunderte von Großschmetterlingsarten abhängig (Hacker, 1998). Da die Aspe als Pionierbaumart sowohl trockene, wie auch zeitweise überschwemmte Standorte besiedeln kann (Mayer, 1977), ist zu vermuten, dass die Seltenheit von Sulcacis bidentulus und vielen anderen Arten im Landwald unter 500 m ü.NN. durch die Forstwirtschaft verursacht ist.

Literatur: Hacker, H. (1998): Schmetterlinge und Sträucher. In: Bayer. Forstverein (Hrsg.): Sträucher in Wald und Flur. ecomed-Verlag, Landsberg, S. 514.  Horion, A. (1961): Faunistik der Mitteleuropäischen Käfer Bd. VIII. Kommissionsverlag Buchdruckerei Aug. Feyel, Überlingen-Bodensee, 152-153.  Krieglsteiner, G.J. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 1. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 505-506.  Mayer, H. (1977): Waldbau auf soziologische-ökologischer Grundlage. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart & New York, 101-102.  Reibnitz, J. (1999): Verbreitung und Lebensräume der Baumschwammfresser Südwestdeutschlands (Coleoptera: Cisidae). Mitt. ent. V. Stuttgart, Jg. 34, 25-26.  Rosenhauer, W.G. (1847): Beiträge zur Insekten-Fauna Europas. Verlag Theodor Blaesing, Erlangen, 58-59.  Zitiervorschlag: Bußler, H. 2019: Sulcacis bidentulus (Rosenhauer, 1847) in Bayern. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [06.08.2019].  Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.

 

Ein bemerkenswerter Nachweis von Ceutorhynchus barbareae Suffrian,1847 an der bayerischen Donau bei Ingolstadt. Mitgeteilt von Dieter Jungwirth am 28.05.2019

Im Bereich östlich der Staustufe Ingolstadt wurde 2014 am Nordufer der Donau auf einer Länge von etwa 250m der Steinverbau entfernt und die Donau von ihrem damaligen Korsett befreit. Der neugestaltete Uferbereich erhielt eine grobe Kiesschüttung und eine flachere Böschungsneigung. Seit der Fertigstellung der Maßnahme hält der Ökotrupp des Umweltamtes der Stadt Ingolstadt die Fläche gehölzfrei.

Am 25. 04. 2019 konnte ich auf den schütter bewachsenen Kiesflächen auf Barbarakraut (Barbarea spec.) neben Ceutorhynchus napi und C. obstrictus auch C. barbareae in mehreren Exemplaren nachweisen. Peter Sprick (Hannover) hat in freundlicher Weise nach Zusendung eines Pärchens die Artzugehörigkeit bestätigt.

Abb.1: Habitat von C. barbareae am nördlichen Donauufer bei Ingolstadt.

Abb. 2: Habitus von C. barbareae (Foto: Lech Borowiec).

VerbreitungCeutorhynchus barbareae ist nach Rheinheimer & Hassler (2010) eine montane Art mit zerstreuten Vorkommen in Deutschland. In Europa ist die Art weit verbreitet und erreicht in Finnland ihre nördliche Verbreitungsgrenze. Die Colkat-Datenbank enthält für Bayern bisher nur eine Meldung aus der bayerischen ASK (München Obermenzing, Kapuzinerhölzl, Juli 2005, 1 Ex. det. P. Sprick). Horion gibt in seinem Verzeichnis der Käfer Mitteleuropas Franken, aber nicht Bayern an, wobei für Nordbayern keine aktuellen Fundnachweise vorliegen. Die Kollegen Bauer und Weichselbaumer, die seit mehr als 30 Jahren den Donauraum bei Neuburg bearbeiten, kennen diese seltene Art aus ihrem Untersuchungsgebiet nicht. Nach Sprick (in litt.) ist C. barbareae viel seltener als seine Wirtspflanzen, er kennt Funde nur von Schotterflächen in Flusstälern oder auf alten Bahnbrachen. 

Der neue Nachweis in Ingolstadt wirft so manche Frage auf, denn das Gebiet wird schon sehr lange intensiv besammelt und ist mit 365m ü. NN. nicht als montan anzusprechen. Ob Ceutorhynchus barbareae im Donauraum unterkartiert ist, oder erst in letzter Zeit neue Populationen etabliert hat und woher diese kommen, ist schwer einzuschätzen. Diesbezüglich ist auch die aktuelle RL-Bayern-Einstufung von Sprick & Schmidl (2005) „Daten defizitär“ wohl die einzig sinnige Variante.

Ökologie: Als Nahrungs- und Entwicklungspflanze geben Rheinheimer & Hassler (2010) in erster Linie Barbarea-Arten, sowie Rorippa palustris und Cardamine enneaphyllos an. Die Larvenentwicklung ist bisher unbekannt – auch Dieckmann (1972) konnte hierzu keine näheren Angaben machen. Peter Sprick (in litt.) geht davon aus, dass die Art viele potentielle Habitate mit den entsprechenden Vorkommen der Entwicklungspflanze nicht nutzen kann, weil die "patches" zu unstet sind. Manche Habitate sind vielleicht auch nicht ausreichend dimensioniert oder es fehlen die optimalen Rahmenbedingungen, die bei selten nachgewiesenen Arten meist schwer nachzuvollziehen sind. 

Momentan sind die Barbarea-Bestände an der Donau, aufgrund des anhaltenden Maihochwassers überflutet und es wird sich zeigen, ob sich im Sommer 2019 eine neue Generation dieses schönen, blauen Rüsselkäfers finden läßt.Das Umweltamt der Stadt Ingolstadt hat sich bereit erklärt, die bestehenden Habitate durch geeignete Maßnahmen zu erhalten.

Literatur:  Dieckmann, L. (1972): Beiträge zur Insektenfauna der DDR: Coleoptera - Curculionidae (Ceutorhynchinae). - Beitr. Entomol. 22 (1/2): 3-128.  Horion, A.(1951): Verzeichnis der Käfer Mitteleuropas - A. Kernen Verlag, Stuttgart.  Rheinheimer, J & M. Hassler (2010): Die Rüsselkäfer Baden-Württembergs  - LUBW Baden-württemberg, Verlag Regionalkultur, Heidelberg.  Sprick, P. & J. Schmidl (2005): Checkliste der Rüsselkäfer Bayerns (Coleoptera: Curculionidae excl. Anthribidae, Platypodidae et Scolytidae). Beiträge zur bayerischen Entomofaunistik 7: 77-95.  Zitatvorschlag: Jungwirth, D. (2019): Ein bemerkenswerter Nachweis von Ceutorhynchus barbareae Suffrian,1847 an der bayerischen Donau bei Ingolstadt. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website: abe-entomofaunistik.org 28.05.2019.

Anschrift des Verfassers: Dieter Jungwirth, Anatomiestraße 2 ½, 85049 Ingolstadt.

 

Ochina latreillii (Bon., 1809) in Bayern. Mitgeteilt von Heinz Bußler 2018 am 3.5.2018

Ochina latreilli galt in Bayern als ausgestorben oder verschollen. Bis zu Jahr 2010 waren nur zwei alte Belege von 1860 aus der Umgebung von Erlangen bekannt (Horion 1961). 2010 gelang der Wiederfund in den Jochensteiner Hängen östlich Passau (Fuchs & Bußler 2011). Am 23.6.2017 und am 22.4.2018 konnten 3 Ex. von toten Apfelbaumästen bei Lenkerheim (Lkrs. Bad Windsheim-Neustadt a.d. Aisch) geklopft werden (Abb. 1).

Die Funde in Mittelfranken und ein Nachweis von 2011 an der bayerisch-thüringischen Grenze (leg. A. Weigel) liegen zwischen dem westlichen und östlichen Verbreitungsgebiet in Deutschland und Europa.   

Abb.1: Ochina latreillii, Lenkerheim 22. April 2018 (Foto: H. Bussler)

Literatur: Fuchs, H. & H. Bußler 2011: 28. Bericht der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Koleopterologen. NachrBl. bayer. Ent. 60 (1/2), 12.  Horion, A. 1961: Faunistik der Mitteleuropäischen Käfer, Bd. 8. Verlag A. Feyel, Überlingen-Bodensee, 198-199.  Zitiervorschlag: Bußler, H. 2018: Ochina latreillii (Bon., 1809) in Bayern. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [03.05.2018].  Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.

 

Eichen-Mehltau als Nahrung für Rhagium sycophanta Schrk. Mitgeteilt von Heinz Bußler am 17.4.2017

Im Juni 2016 konnte auf einer Mittelwaldhiebsfläche bei Bad Windsheim ein Exemplar von Rhagium sycophanta beim „Abweiden“ des Mycelfilzes des Eichen-Mehltaus (Microsphaera alphitoides) beobachtet werden (Abb. 1). Das Pilzgeflecht entzieht dem Blatt über spezielle Saugorgane, die sogenannten Haustorien, die Nährstoffe und enthält Traubenzucker. Das Pilzmyzel ist somit eine attraktive Energiequelle. Die Aufnahme von Pilzen ist bisher nur durch Imagines verschiedener Lamiinae bekannt. Ob Pilze eine zusätzliche oder essenzielle Nahrung für manche Cerambycidae darstellen, bedarf noch weiterer Untersuchungen (Klausnitzer et al. 2016).

Abb.1: Rhagium sycophanta Schr., NSG Gräfholz und Dachsberge 18.6.2016 (Foto: Bussler)

Literatur: Klausnitzer, B., Klausnitzer, U., Wachmann, E. & Z. Hromádko 2016: Die Bockkäfer Mitteleuropas, Bd. 1. Die Neue Brehm Bücherei Bd. 499, 150-159.   Zitiervorschlag: Bußler, H. 2017: Eichen-Mehltau als Nahrung für Rhagium sycophanta Schrk. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [17.04.2017]. Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.

 

Calosoma sycophanta L. im Südlichen Steigerwald mitgeteilt von Heinz Bußler am 4.4.2007

Das Vorkommen des Großen Puppenräubers (Calosoma sycophanta L.) im Kehrenberggebiet nordwestlich Bad Windsheim war bekannt (Künneth 1982). Während der Schwammspinnergradation 1993/94 konnte das Vorkommen mittels eines Flügeldeckenfundes bestätigt werden. Erst wieder am 23.6.2010 konnte ein Exemplar auf der Tiefen Hut bei Ergersheim an einer Huteeiche beobachtet werden und erst weitere sechs Jahre später, am 18.6.2016, wieder ein Exemplar westlich Oberntief. Das Weibchen wurde an einer vom Eichenprozessionsspinner bewohnten Oberholzeiche auf einer  frischen Mittelwaldhiebsfläche fotografiert (Abb. 1). Während der Kleine Puppenräuber (Calosoma inquisitor L.) regelmäßig im Kehrenberggebiet zu beobachten ist (Fuchs & Bußler 2017), befindet sich C. sycophanta jahrelang unter der Nachweisgrenze. Sichtbar wird er erst, wenn auch zyklische Massenvermehrungen der sogenannten „Eichenfraßgesellschaft“ ungestört ablaufen können. Den Beweis, dass ohne die Bekämpfung von Schmetterlingen ein bestandsweises Absterben von Eichen erfolgt (Muck 2007) und somit der Lebensraumtyp „Eichenwald“ und seine sonstigen Arten gefährdet werden, konnte der Forstschutz bis heute weder national noch international erbringen.

Abb.1: Calosoma sycophanta L., NSG Gräfholz und Dachsberge 18.6.2016 (Foto: Bussler)

Literatur:   Fuchs, H. & H. Bussler 2017: 34. Bericht der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Koleopterologen. NachrBl. Bayer. Ent. 66(1/2):13.   Künneth, W. 1982: Das Ökosystem Wald in Westmittelfranken am Beispiel des Kehrenberges. Mitt. aus der Staatsforstverwaltung Bayern 42, München, 114.   Muck, M. 2007: Einfluss des Mikroklimas auf die Populationsdynamik des Schwammspinners. LWF aktuell 58:18.   Zitiervorschlag: Bußler H. 2017: Calosoma sycophanta L. im Südlichen Steigerwald. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [04.04.2017]. Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.

 

Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta Poda) aus Niederbayern mitgeteilt von Heinz Bußler am 1.12.2007 

Begünstigt durch den Klimawandel breitet sich der Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta Poda) seit Mitte der neunziger Jahre wieder aus. Die pontisch-mediterrane Art ist ein Relikt der postglazialen Steppenzeit. Der Käfer wandert aus den Wärmerefugien des hessischen Maingebietes und aus dem südöstlichen Donauraum nach Bayern ein. 2002 wurde er erstmals im Bayerischen Wald beobachtet. Die Art findet sich inzwischen auch in Höhenlagen von über 700 Metern. Im 20. Jahrhundert war vor 1990 nur ein Fund aus dem Jahr 1964 aus Aschaffenburg bekannt. Lit: Bußler, H. (2007): Wärmeliebende Rosenkäfer im Bayerischen Wald. LWF aktuell 57, S. 58.

Zitiervorschlag: Bußler H. 2007: Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta Poda) aus Niederbayern.  Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [1.12.2007]. Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.