Käfer

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Herbert Fuchs (herbertsfuechse[at]online.de) oder Jürgen Schmidl (jschmidl[at]bioform.de)

Ein Fund des seltenen Natterläufers Polistichus connexus (Fourcroy, 1785) (Col., Carabidae) im NSG Tennenloher Forst bei Erlangen/Mfr. Mitgeteilt von Rudi Tannert und Georg Wolfrum am 21.9.2019

Zusammenfassung: Im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst bei Erlangen/Mfr. konnten die Verfasser erstmals die Laufkäferart Polistichus connexus (Fourcroy, 1785) beobachten. Das NSG besteht hauptsächlich aus lichtem Kiefernwald, Offensanden, Heideflächen und wenigen Feuchtstellen sowie vielerlei Sträucher und Gebüsche.

Anläßlich eines Leuchtabends am 24. August 2019 beobachteten wir am Leuchtturm eine kleine schwarzbraune Laufkäferart, welche wir als Lepidopterologen zunächst nicht ansprechen konnten. Gezählt wurden 12 Tiere, sicher wurden auch einige übersehen. Man kann daher wohl lokal von häufigem Auftreten sprechen. Die Autoren konnten die Art bisher, mit der Tennenloher Ausnahme, noch nie und nirgends beobachten. Die Nachttemperatur hat noch gegen Mitternacht über 20 ° betragen, was dem Anflug des wärmeliebenden Tieres sicher entgegenkam.

Abb: Polistichus connexus. Foto: Lech Borowiec.

Am nächsten Tag zu Hause stellte sich der Käfer als Polistichus connexus (Fourcroy, 1785) aus der Familie der Laufkäfer (Carabidae) heraus. Bestätigt wurde die Art auch von Ludwig Ebner, Weiden. Über die Art selbst sind die Literaturangaben recht spärlich, obwohl sie in alter wie auch neuer Literatur als in Deutschland vorkommend geführt und als sehr selten bezeichnet wird (Hurka 1996). Zum Großteil handelt es sich um einzelne Funde, um so erstaunlicher ist das Tennenloher Auftreten zu betrachten. Nicht auszuschliessen ist auch, daß die knapp ca. 1 cm kleine und schmale Art von so manchen Kollegen übersehen wird, die Autoren schliessen sich hier nicht aus.

Die Art stammt ursprünglich aus Südosteuropa (Bulgarien, Rumänien) und ist in den letzten Jahrzehnten in Ausbreitung begriffen. Sie ist offenbar sehr wärmeliebend, flugfähig und wanderfreudig. Genannt werden Beobachtungen in Baden Württemberg, Rheinland-Pfalz, südl. Brandenburg, Sachsen-Anhalt und auch Nordbayern (Friedrich 2012). Sicher haben weitere Besiedlungen stattgefunden.

Eine Aussage über Lebensraumansprüche möchten wir aufgrund der Vielseitigkeit des NSG zumindest zunächst nicht zu treffen, ebenso ist über die Biologie nur wenig bekannt.

Literatur: Friedrich, H. 2012: Polistichus connexus Geoffroy in Fourcroy, 1785 – Erstnachweis für die Rheinprovinz (Col., Carabidae). Mitteilungen der Arbeitsgemeeinschaft Rheinischer Koleopterologen (Bonn) 22 (1–4), 2012, 5–7.  Hurka K. 1996: Carabidae of the Czech and Slovak Republics. Kabourek, Zlin.  Zitiervorschlag: Tannert R. & Wolfrum G. 2019: Ein Fund des seltenen Natterläufers Polistichus connexus (Fourcroy, 1785) (Col., Carabidae) im NSG Tennenloher Forst bei Erlangen/Mfr. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [26.09.2019].  Anschrift der Verfasser: Rudi Tannert, Josef-Simon-Strasse 52, 90473 Nürnberg; Georg Wolfrum, Viatisstrasse 2e, 90480 Nürnberg.

Sulcacis bidentulus (Rosenhauer, 1847) in Bayern. Mitgeteilt von Heinz Bußler am 06.08.2019

Sulcacis bidentulus wurde 1847 nach Exemplaren aus Tirol und Italien beschrieben (Rosenhauer, 1847). Die Hauptvorkommen von Sulcacis bidentulus in Deutschland liegen, abgesehen von Streufunden, in den Stromsystemen des Ober-und Niederrheins, vereinzelt wurde die Art auch im Einzugsbereich der von Pappelpflanzungen gesäumten Flüsse Enz und Neckar gefunden (Reibnitz, 1999). Aus Bayern ist nur eine historische Meldung dokumentiert: „Passau, Waltl leg. ca. 1840; 1 Ex. coll. Schilsky Z.M.B [Zoologisches Museum Berlin]. Da sonst aus Bayern ganz unbekannt, wohl Fundortverwechslung“ (Horion, 1961). In Südbayern gelangen C. Hirgstetter und J. Reibnitz 1994 erste aktuelle Nachweise bei Prien und Grabenstätt am Chiemsee (Reibnitz, 1999). In Ostbayern wurde die Art von J. Müller 2006 bei Pocking in den Innauen festgestellt und 2008 in den Donauauen bei Deggendorf. Die Nachweise von J. Müller in den Inn- und Donauauen zeigen, dass auch der Nachweis von 1840 aus der Umgebung von Passau nicht auf einer Fundortverwechslung beruht. Bei gezielter Nachsuche an Inn und Donau sind weitere Vorkommen mit Sicherheit zu erwarten.  

Sulcacis bidentulus ♂ (Foto: J. Reibnitz)

Am 28.02.2019 wurde von S. Finnberg ein totes Exemplar aus einem Pilz an einer toten Zitterpappel südöstlich Lenkersheim, Lkrs. Bad Windsheim-Neustadt Aisch, geborgen (det. H. Bußler). Am gleichen Fundort wurden am 15.07.2019 zwei lebende Exemplare gesammelt (leg. et det. H. Bußler). Der bevorzugte Brutpilz der Art ist die Blasse Borstentramete (Coriolopsis trogii), deren Hauptsubstrat Totholz verschiedener Pappelarten ist (Krieglsteiner, 2000). Die Hauptverbreitung liegt in der planaren Stufe, die höchste Fundstelle in Baden-Württemberg um 500 m ü.NN. Beim Fundort Lenkersheim handelt es sich um einen ehemaligen Mittelwald mit hohen Anteilen von ca. 60 bis 80 Jahre alten Zitterpappeln (Populus tremula) auf dem Frankenhöhenanstieg in einer Höhe von 447 m ü.NN.

Aktuelle Verbreitung von Sulcacis bidentulus in Deutschland (Grafik: ColKat)

Reibnitz 1999 bezeichnet Sulcacis bidentulus als ein typisches Faunenelement der oberrheinischen Auenwälder, mit Bindung an ein warmes Klima. Was sich mit der Höhenverbreitung der Pilzart deckt. Die Fundstellen um den Chiemsee liegen in einer Höhe von 520 m ü.NN., alle anderen bayerischen Standorte zwischen 310 und  447 m ü.NN.

Blasse Borstentramete (Coriolopsis trogii) an totem Zitterpappelholz im Stadtwald Bad Windsheim bei Lenkersheim (Foto: H. Bußler)

Weitere charakteristische Käferarten am Zitterpapppelholz bei Lenkersheim waren Saperda perforata, Rusticoclytus rusticus, Agrilus suvorovi, Agrilus ater, Cerylon deplanatum,Trypophloeus binodulus, Xyleborus cryptographus und Hololepta plana.

Sehr bemerkenswert ist der Nachweis von Sulcacis bidentulus bei Lenkersheim deshalb, da es sich nicht um einen Auwald oder um eine Pappelplantage handelt, sondern um einen Landwald, der bedingt durch die historische Mittelwaldwirtschaft einen hohen Anteil an alten Zitterpappeln aufweist, wie er im durchschnittlichen Wirtschaftswald nicht zu finden ist, da die Aspe mit den anderen „Weichhölzern“ bei Durchforstungen zugunsten von Wirtschaftsbaumarten nach wie vor entnommen wird. In der Bundeswaldinventur wird die Zitterpappel mit Birken, Weiden und Ebereschen unter der Kategorie „andere Laubbaumarten mit niedriger Lebenserwartung“ subsummiert. Sie haben laut der 3. Bundeswaldinventur 2012 in Bayern einen Anteil von 7,7 Prozent. Detaillierte Daten zur Verteilung, zu Flächenanteilen oder der Altersstruktur dieser Baumarten gibt es nicht. Dies ist unverständlich, da diese Baumarten für die Biodiversität in den Wäldern elementar sind. Von ihrem Vorkommen sind alleine hunderte von Großschmetterlingsarten abhängig (Hacker, 1998). Da die Aspe als Pionierbaumart sowohl trockene, wie auch zeitweise überschwemmte Standorte besiedeln kann (Mayer, 1977), ist zu vermuten, dass die Seltenheit von Sulcacis bidentulus und vielen anderen Arten im Landwald unter 500 m ü.NN. durch die Forstwirtschaft verursacht ist.

Literatur: Hacker, H. (1998): Schmetterlinge und Sträucher. In: Bayer. Forstverein (Hrsg.): Sträucher in Wald und Flur. ecomed-Verlag, Landsberg, S. 514.  Horion, A. (1961): Faunistik der Mitteleuropäischen Käfer Bd. VIII. Kommissionsverlag Buchdruckerei Aug. Feyel, Überlingen-Bodensee, 152-153.  Krieglsteiner, G.J. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 1. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 505-506.  Mayer, H. (1977): Waldbau auf soziologische-ökologischer Grundlage. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart & New York, 101-102.  Reibnitz, J. (1999): Verbreitung und Lebensräume der Baumschwammfresser Südwestdeutschlands (Coleoptera: Cisidae). Mitt. ent. V. Stuttgart, Jg. 34, 25-26.  Rosenhauer, W.G. (1847): Beiträge zur Insekten-Fauna Europas. Verlag Theodor Blaesing, Erlangen, 58-59.  Zitiervorschlag: Bußler, H. 2019: Sulcacis bidentulus (Rosenhauer, 1847) in Bayern. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [06.08.2019].  Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.

 

Ein bemerkenswerter Nachweis von Ceutorhynchus barbareae Suffrian,1847 an der bayerischen Donau bei Ingolstadt. Mitgeteilt von Dieter Jungwirth am 28.05.2019

Im Bereich östlich der Staustufe Ingolstadt wurde 2014 am Nordufer der Donau auf einer Länge von etwa 250m der Steinverbau entfernt und die Donau von ihrem damaligen Korsett befreit. Der neugestaltete Uferbereich erhielt eine grobe Kiesschüttung und eine flachere Böschungsneigung. Seit der Fertigstellung der Maßnahme hält der Ökotrupp des Umweltamtes der Stadt Ingolstadt die Fläche gehölzfrei.

Am 25. 04. 2019 konnte ich auf den schütter bewachsenen Kiesflächen auf Barbarakraut (Barbarea spec.) neben Ceutorhynchus napi und C. obstrictus auch C. barbareae in mehreren Exemplaren nachweisen. Peter Sprick (Hannover) hat in freundlicher Weise nach Zusendung eines Pärchens die Artzugehörigkeit bestätigt.

Abb.1: Habitat von C. barbareae am nördlichen Donauufer bei Ingolstadt.

Abb. 2: Habitus von C. barbareae (Foto: Lech Borowiec).

VerbreitungCeutorhynchus barbareae ist nach Rheinheimer & Hassler (2010) eine montane Art mit zerstreuten Vorkommen in Deutschland. In Europa ist die Art weit verbreitet und erreicht in Finnland ihre nördliche Verbreitungsgrenze. Die Colkat-Datenbank enthält für Bayern bisher nur eine Meldung aus der bayerischen ASK (München Obermenzing, Kapuzinerhölzl, Juli 2005, 1 Ex. det. P. Sprick). Horion gibt in seinem Verzeichnis der Käfer Mitteleuropas Franken, aber nicht Bayern an, wobei für Nordbayern keine aktuellen Fundnachweise vorliegen. Die Kollegen Bauer und Weichselbaumer, die seit mehr als 30 Jahren den Donauraum bei Neuburg bearbeiten, kennen diese seltene Art aus ihrem Untersuchungsgebiet nicht. Nach Sprick (in litt.) ist C. barbareae viel seltener als seine Wirtspflanzen, er kennt Funde nur von Schotterflächen in Flusstälern oder auf alten Bahnbrachen. 

Der neue Nachweis in Ingolstadt wirft so manche Frage auf, denn das Gebiet wird schon sehr lange intensiv besammelt und ist mit 365m ü. NN. nicht als montan anzusprechen. Ob Ceutorhynchus barbareae im Donauraum unterkartiert ist, oder erst in letzter Zeit neue Populationen etabliert hat und woher diese kommen, ist schwer einzuschätzen. Diesbezüglich ist auch die aktuelle RL-Bayern-Einstufung von Sprick & Schmidl (2005) „Daten defizitär“ wohl die einzig sinnige Variante.

Ökologie: Als Nahrungs- und Entwicklungspflanze geben Rheinheimer & Hassler (2010) in erster Linie Barbarea-Arten, sowie Rorippa palustris und Cardamine enneaphyllos an. Die Larvenentwicklung ist bisher unbekannt – auch Dieckmann (1972) konnte hierzu keine näheren Angaben machen. Peter Sprick (in litt.) geht davon aus, dass die Art viele potentielle Habitate mit den entsprechenden Vorkommen der Entwicklungspflanze nicht nutzen kann, weil die "patches" zu unstet sind. Manche Habitate sind vielleicht auch nicht ausreichend dimensioniert oder es fehlen die optimalen Rahmenbedingungen, die bei selten nachgewiesenen Arten meist schwer nachzuvollziehen sind. 

Momentan sind die Barbarea-Bestände an der Donau, aufgrund des anhaltenden Maihochwassers überflutet und es wird sich zeigen, ob sich im Sommer 2019 eine neue Generation dieses schönen, blauen Rüsselkäfers finden läßt.Das Umweltamt der Stadt Ingolstadt hat sich bereit erklärt, die bestehenden Habitate durch geeignete Maßnahmen zu erhalten.

Literatur:  Dieckmann, L. (1972): Beiträge zur Insektenfauna der DDR: Coleoptera - Curculionidae (Ceutorhynchinae). - Beitr. Entomol. 22 (1/2): 3-128.  Horion, A.(1951): Verzeichnis der Käfer Mitteleuropas - A. Kernen Verlag, Stuttgart.  Rheinheimer, J & M. Hassler (2010): Die Rüsselkäfer Baden-Württembergs  - LUBW Baden-württemberg, Verlag Regionalkultur, Heidelberg.  Sprick, P. & J. Schmidl (2005): Checkliste der Rüsselkäfer Bayerns (Coleoptera: Curculionidae excl. Anthribidae, Platypodidae et Scolytidae). Beiträge zur bayerischen Entomofaunistik 7: 77-95.  Zitatvorschlag: Jungwirth, D. (2019): Ein bemerkenswerter Nachweis von Ceutorhynchus barbareae Suffrian,1847 an der bayerischen Donau bei Ingolstadt. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website: abe-entomofaunistik.org 28.05.2019.

Anschrift des Verfassers: Dieter Jungwirth, Anatomiestraße 2 ½, 85049 Ingolstadt.

 

Ochina latreillii (Bon., 1809) in Bayern. Mitgeteilt von Heinz Bußler 2018 am 3.5.2018

Ochina latreilli galt in Bayern als ausgestorben oder verschollen. Bis zu Jahr 2010 waren nur zwei alte Belege von 1860 aus der Umgebung von Erlangen bekannt (Horion 1961). 2010 gelang der Wiederfund in den Jochensteiner Hängen östlich Passau (Fuchs & Bußler 2011). Am 23.6.2017 und am 22.4.2018 konnten 3 Ex. von toten Apfelbaumästen bei Lenkerheim (Lkrs. Bad Windsheim-Neustadt a.d. Aisch) geklopft werden (Abb. 1).

Die Funde in Mittelfranken und ein Nachweis von 2011 an der bayerisch-thüringischen Grenze (leg. A. Weigel) liegen zwischen dem westlichen und östlichen Verbreitungsgebiet in Deutschland und Europa.   

Abb.1: Ochina latreillii, Lenkerheim 22. April 2018 (Foto: H. Bussler)

Literatur: Fuchs, H. & H. Bußler 2011: 28. Bericht der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Koleopterologen. NachrBl. bayer. Ent. 60 (1/2), 12.  Horion, A. 1961: Faunistik der Mitteleuropäischen Käfer, Bd. 8. Verlag A. Feyel, Überlingen-Bodensee, 198-199.  Zitiervorschlag: Bußler, H. 2018: Ochina latreillii (Bon., 1809) in Bayern. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [03.05.2018].  Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.

 

Eichen-Mehltau als Nahrung für Rhagium sycophanta Schrk. Mitgeteilt von Heinz Bußler am 17.4.2017

Im Juni 2016 konnte auf einer Mittelwaldhiebsfläche bei Bad Windsheim ein Exemplar von Rhagium sycophanta beim „Abweiden“ des Mycelfilzes des Eichen-Mehltaus (Microsphaera alphitoides) beobachtet werden (Abb. 1). Das Pilzgeflecht entzieht dem Blatt über spezielle Saugorgane, die sogenannten Haustorien, die Nährstoffe und enthält Traubenzucker. Das Pilzmyzel ist somit eine attraktive Energiequelle. Die Aufnahme von Pilzen ist bisher nur durch Imagines verschiedener Lamiinae bekannt. Ob Pilze eine zusätzliche oder essenzielle Nahrung für manche Cerambycidae darstellen, bedarf noch weiterer Untersuchungen (Klausnitzer et al. 2016).

Abb.1: Rhagium sycophanta Schr., NSG Gräfholz und Dachsberge 18.6.2016 (Foto: Bussler)

Literatur: Klausnitzer, B., Klausnitzer, U., Wachmann, E. & Z. Hromádko 2016: Die Bockkäfer Mitteleuropas, Bd. 1. Die Neue Brehm Bücherei Bd. 499, 150-159.   Zitiervorschlag: Bußler, H. 2017: Eichen-Mehltau als Nahrung für Rhagium sycophanta Schrk. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [17.04.2017]. Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.

 

Calosoma sycophanta L. im Südlichen Steigerwald mitgeteilt von Heinz Bußler am 4.4.2007

Das Vorkommen des Großen Puppenräubers (Calosoma sycophanta L.) im Kehrenberggebiet nordwestlich Bad Windsheim war bekannt (Künneth 1982). Während der Schwammspinnergradation 1993/94 konnte das Vorkommen mittels eines Flügeldeckenfundes bestätigt werden. Erst wieder am 23.6.2010 konnte ein Exemplar auf der Tiefen Hut bei Ergersheim an einer Huteeiche beobachtet werden und erst weitere sechs Jahre später, am 18.6.2016, wieder ein Exemplar westlich Oberntief. Das Weibchen wurde an einer vom Eichenprozessionsspinner bewohnten Oberholzeiche auf einer  frischen Mittelwaldhiebsfläche fotografiert (Abb. 1). Während der Kleine Puppenräuber (Calosoma inquisitor L.) regelmäßig im Kehrenberggebiet zu beobachten ist (Fuchs & Bußler 2017), befindet sich C. sycophanta jahrelang unter der Nachweisgrenze. Sichtbar wird er erst, wenn auch zyklische Massenvermehrungen der sogenannten „Eichenfraßgesellschaft“ ungestört ablaufen können. Den Beweis, dass ohne die Bekämpfung von Schmetterlingen ein bestandsweises Absterben von Eichen erfolgt (Muck 2007) und somit der Lebensraumtyp „Eichenwald“ und seine sonstigen Arten gefährdet werden, konnte der Forstschutz bis heute weder national noch international erbringen.

Abb.1: Calosoma sycophanta L., NSG Gräfholz und Dachsberge 18.6.2016 (Foto: Bussler)

Literatur:   Fuchs, H. & H. Bussler 2017: 34. Bericht der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Koleopterologen. NachrBl. Bayer. Ent. 66(1/2):13.   Künneth, W. 1982: Das Ökosystem Wald in Westmittelfranken am Beispiel des Kehrenberges. Mitt. aus der Staatsforstverwaltung Bayern 42, München, 114.   Muck, M. 2007: Einfluss des Mikroklimas auf die Populationsdynamik des Schwammspinners. LWF aktuell 58:18.   Zitiervorschlag: Bußler H. 2017: Calosoma sycophanta L. im Südlichen Steigerwald. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [04.04.2017]. Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.

 

Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta Poda) aus Niederbayern mitgeteilt von Heinz Bußler am 1.12.2007 

Begünstigt durch den Klimawandel breitet sich der Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta Poda) seit Mitte der neunziger Jahre wieder aus. Die pontisch-mediterrane Art ist ein Relikt der postglazialen Steppenzeit. Der Käfer wandert aus den Wärmerefugien des hessischen Maingebietes und aus dem südöstlichen Donauraum nach Bayern ein. 2002 wurde er erstmals im Bayerischen Wald beobachtet. Die Art findet sich inzwischen auch in Höhenlagen von über 700 Metern. Im 20. Jahrhundert war vor 1990 nur ein Fund aus dem Jahr 1964 aus Aschaffenburg bekannt. Lit: Bußler, H. (2007): Wärmeliebende Rosenkäfer im Bayerischen Wald. LWF aktuell 57, S. 58.

Zitiervorschlag: Bußler H. 2007: Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta Poda) aus Niederbayern.  Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [1.12.2007]. Anschrift des Verfassers: Dr. Heinz Bußler, Am Greifenkeller 1, 91555 Feuchwangen.