Nachtfalter Makro

Bitte senden Sie Ihre Meldungen an: Werner Wolf (wernerwolf.abe[at]t-online.de) oder Julian Bittermann (Julian.Bittermann[at]gmx.de) oder Hans-Peter Schreier (hpschreier[at]t-online.de)

 

 

Funde von Athetis (Proxenus) lepigone (Möschler, 1860) und Agrotis puta (Hübner, [1803]) in Bayern mitgeteilt von Andreas Bischof am 11.11.2018

Im Spätsommer und Frühherbst 2018 konnte ich beim Lichtfang am Haus in Bad Königshofen zwei Noctuiden beobachten, die für die bayerische Fauna den Erst- bzw. den Zweitfund darstellen.

Athetis (Proxenus) lepigone (Möschler, 1860)
Der relativ unscheinbare Falter kam am 15.9.2018 ans Licht. Diese östliche Art zeigt in den letzten Jahren eine deutliche Ausbreitungstendenz nach Westen. Eine ausführliche Darstellung ihrer Einwanderung nach Deutschland hat Erwin Rennwald im Lepiforum auf der Artseite von A. lepigone zusammengestellt (http://www.lepiforum.de/lepiwiki.pl?Athetis_Lepigone). Ob der bayerische Fund bereits auf Bodenständigkeit (wie sie zumindest für Sachsen schon angenommen werden muß) hinweist oder der erste „Vorbote“ einer Einwanderung darstellt, bleibt natürlich z.Z. noch ungeklärt.

 

Agrotis puta (Hübner, [1803])
Aus einer anderen Richtung, nämlich von (Nord-)Westen dürfte diese Art kommen, die am 11.10.2018 gefunden wurde. Das einzige bisher aus Bayern bekannte Exemplar (Wallberg bei Tegernsee, 14.9.1995, leg. H. Fischer) wurde bisher aufgrund der weiten Entfernung zur bekannten Verbreitung als Irrgast (Vagabund) eingestuft (Haslberger & Segerer, 2016:244). Nachdem der vorgestellte Fund wesentlich näher zu aktuellen Nachweisen dieser Art z.B. in der nichtbayerischen Rhön und einem älteren Nachweis aus Tauberbischofsheim liegt (s. www.schmetterlinge-de.de), wird auch hier eine Ausbreitungstendenz vermutet. Ein anhaltender Zuzug wird z.B. auch in den Berliner Raum berichtet (Lepiforum).

 

Der Fundort Bad Königshofen scheint in den Zugstraßen „ausbreitungswilliger“ Schmetterlingsarten zu liegen, und noch dazu in deren Schnittpunkt! In den letzten Jahren konnten hier drei (vier) Neuzugänge zur bayerischen Großschmetterlingsfauna festgestellt werden. Je zwei aus dem Westen: Paidia rica (s. Wolf, 2017) und, als „Wiederfund“ jetzt Agrotis puta, und aus dem Osten: Conisania luteago (s. Wolf & Bischof, 2014) und aktuell Athetis lepigone.

Literatur: Haslberger, A. & A. H. Segerer (2016): Systematische, revidierte und kommentierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns (Insecta: Lepidoptera). – Mitteilungen der Münchener Entomologischen Gesellschaft, Suppl. zu Bd. 106, 336 S. Wolf, W. (2017): 2017: Paidia rica (Freyer, 1855) und Wander-Spanner in Bayern (Insecta: Lepidoptera: Erebidae, Geometridae). – Beiträge zur bayerischen Entomofaunistik 18: 73–75. Wolf, W. & A. Bischof (2014): Die Braungelbe Leimkrauteule Conisania luteago ([Denis & Schiffermüller], 1775) hat jetzt auch Bayern erreicht! (Lepidoptera: Noctuidae: Hadeninae). – Beiträge zur bayerischen Entomofaunistik 14: 25– 29. Zitiervorschlag: Bischof, A., 2018: Funde von Athetis (Proxenus) lepigone (Möschler, 1860) und Agrotis puta (Hübner, [1803]) in Bayern. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [11.11.2018]

 

 

Vorbemerkung: Diese faunistische Meldung wurde am 30.8.2018 irrtümlich in der Annahme publiziert, dass es sich bei der vorgefundenen Eichenart um eine Sumpf-Eiche (Quercus palustris) handelt. Nach nochmaliger Überprüfung hat sich diese doch als Rot-Eiche (Quercus rubra) herausgestellt.

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) an Rot-Eiche (Quercus rubra) mitgeteilt von Werner Wolf und Julian Bittermann am 5.9.2018

Dieser Tage hat Julian Bittermann ein „totes“ Raupennest des Eichenprozessionsspinners am Ostrand des sogenannten „Ovalen Kreisels“ im Bayreuther Industriegebiet Nord am Stamm eines vorläufig als Rot-Eiche (Quercus rubra) angesprochenen Baumes festgestellt.

Da dies eine der wenigen belegten Nachweise der Nutzung dieser Eichenart in Deutschland wäre, haben wir uns das Nest noch einmal genauer angesehen. Dabei kam der Erstautor zur Ansicht, dass es sich bei dieser Eiche um eine Sumpf-Eiche (Quercus palustris) handelt, von der bisher aus Deutschland offensichtlich noch keine verifizierten Nachweise von T. processionea vorlagen (Sobczyk, 2014:42) (in MIL (2017) wird die Sumpf-Eiche zwar als Wirtsbaum genannt, doch geht aus dieser Publikation nicht hervor, ob es sich um entsprechende Nachweise in Brandenburg handelt). Diese aus Ost-Amerika stammende Eichenart wurde früher und auch jetzt noch gelegentlich („Spree-Eiche“ am Regierungssitz in Berlin) in Parks und Grünanlagen gepflanzt. Einer Überprüfung der Bestimmung durch den Direktor des Ökologisch-Botanischen Gartens der Universität Bayreuth, Dr. Gregor Aas, entsprechend handelt es sich aber tatsächlich um eine Rot-Eiche.

Am Westrand dieses ovalen Kreisverkehr steht noch ein weiteres, kräftigeres Exemplar, das im unteren Stammbereich ebenfalls mit einem, allerdings deutlich kleineren Restnest von T. processionea versehen war. Ansonsten ist die Innenfläche mit Platanen (wohl Platanus orientalis × Platanus occidentalis) bepflanzt. Weitere Rot-Eichen, sowie andere Eichenarten fehlen auch an den äußeren Kreisverkehrrändern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 1: Vom Eichenprozessionsspinner befallene Rot-Eiche (mittig im Hintergrund) am Ostende des Bayreuther Ovalen Kreisels.

Abb. 2: Reste des Eichenprozessionsspinner-Raupennestes am Stamm der in Abb. 1 gezeigten Rot-Eiche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 3: Blätter und Frucht der zweiten Rot-Eiche (am Westrand des Ovalen Kreisels). (alle Fotos: Werner Wolf)

Wie von uns prognostiziert (Wolf & Bittermann, 2014), ist der Eichenprozessionsspinner nunmehr (2018) ein etablierter Betandteil der Fauna des Obermainischen Hügellandes und mittlerweile sogar in nominell kältere Regionen wie den Frankenwald und das Fichtelgebirge vorgedrungen.

Literatur: MIL (2017): Eichenprozessionsspinner Thaumetopoea processionea L. – Brandenburg, Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, 16 S. [https://lelf.brandenburg.de/media_fast/4055/Broschur Eichenprozessionsspinner.pdf]. Sobczyk, T. (2014): Der Eichenprozessionsspinner in Deutschland. Historie - Biologie - Gefahren - Bekämpfung. – BfN-Skripten 365, 175 S. Wolf, W. & J. Bittermann (2014): Der Eichenprozessionsspinner Thaumetopoea processionea (Linnaeus, 1758) auch im südlichen Obermainischen Hügelland (Lepidoptera: Notodontidae: Thaumetopoeinae). – Beiträge zur bayerischen Entomofaunistik 13:73–77. Zitiervorschlag: Wolf, W. & J.Bittermann, 2018: Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) an Rot-Eiche (Quercus rubra). Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [5.9.2018]

 

Der Wespen-Glasflügler (Synanthedon vespiformis L.) im Stadtwald von Bad Windsheim mitgeteilt von Heinz Bußler am 17.4.2017

Vom Mai bis Anfang August 2016 wurden 12 einjährige Eichenstöcke auf einer Mittelwaldhiebsfläche im Stadtwald Bad Windheim bei Oberntief mittels Aerarien eingehaust (Abb. 1). Ziel der Untersuchung war festzustellen welche Käferarten sich in den Stöcken entwickeln und ob der Zweipunkt-Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus F.) Einfluss auf die Mortalität oder Ausschlagfähigkeit der Stöcke hat. Das häufigste Insekt in den Aerarien war aber keine Käferart, sondern mit 101 Ex. Synanthedon vespiformis L. (Abb. 2), 9 Ex. schlüpften im Mai, 78 im Juni und 14 im Juli. Die Art gilt als typischer Baumkrebsbewohner an Eichen, ein anthropogener Lebensraum sind Eichenstubben (Blum 1997). Die Raupe entwickelt sich im Bast der Stöcke. Bei durchschnittlich 80 Eichenstöcken pro Hektar Hiebsfläche schlüpfen hochgerechtet über 650 Wespen-Glasflügler pro Hektar. Auf der Fläche konnte aber nur einmal ein Exemplar gesichtet werden.

Abb.1: Aerarien über Eichenstöcken (Foto: Bussler)

Abb. 2: NSG Gräfholz und Dachsberge 19.6.2016 (Foto: Bussler)

Literatur:  Blum, E. 1997: Synanthedon vespiformis. In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs, Bd. 5 Nachtfalter III, 133-136. Zitiervorschlag: Bussler, H. 2017: Der Wespen-Glasflügler (Synanthedon vespiformis L.) im Stadtwald von Bad Windsheim . Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [17.4.2017]

 

 Ein aktueller Fund des Oleanderschwärmer Daphnis nerii (LINNAEUS, 1758) in Oberfranken.  Mitgeteilt von Julian Bittermann, Bayreuth, am 15.09.2016.

Am 31.07.2016 bekam ich von meinem Freund Uwe Langhammer einen Anruf, dass sein Oleanderbusch „von großen Raupen zusammengefressen wird“. Der Garten mit dem getopften Oleanderbusch steht auf der Terrasse des Anwesens, dem sogenannten „Schmähhaus“. Der einzelne Hof liegt in 500m Höhe auf einem Bergrücken (der sogenannten „Creußener Störung“) im Naturraum Obermainisches-Hügelland. Politisch dem Landkreis Bayreuth und der Verwaltungsgemeinschaft Creußen zum Ortsteil Altenkünsberg zugehörig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 1, 2 und 3: Freilandfund an Oleander, Oberfranken, Creußen, Altenkünsberg "Schmähhaus". Fotos: Julian Bittermann

Der Autor setzte sich unverzüglich ins Auto, um kurz darauf seinen Anfangsverdacht bestätigt zu sehen. Auf dem Oleanderbusch saßen 21 erwachsene Raupen des Oleanderschwärmers Daphnis nerii, welche eine unübersehbare Auflichtung der Kübelpflanze verursacht hatten. ( siehe Bild 1, 2 und 3 Busch u. Raupen)

Die Gartenbesitzer erinnerten sich noch an einen auffällig großen Falter, der vor ca. 3-4 Wochen in der Dämmerung um die Terrasse flog. Drei der Raupen waren inzwischen sogar auf eine vier Meter entferne kleine Topfpflanze übergewechselt. Das zielstrebige Auffinden einer Wirtspflanze sowohl durch den Falter als auch der Raupen ist doch immer wieder höchsterstaunlich. Noch mehr, da es sich bei dem Oleander nicht etwa um eine blühende Pflanze handelte, die Ihren Duft hätte weit verströmen lassen. Der sterile Busch war im letzten Jahr stark zurückgeschnittenen worden. Durch seine vielen kräftigen Jungtriebe bot die Pflanze optimale Futterbedingungen für die Raupen. Zur Weiterzucht wurden sie in einen Kunststoffeimer auf eine Lage Oleandertriebe umgesetzt. Den Untergrund bildete eine 20cm dicke Schicht eines Gemisches aus trockener, sandiger Erde, welche mit dem Papier einer Küchenrolle abgedeckt wurde.

Schon am nächsten Tag verfärbten sich einige Raupen Bananengelb mit einer schwärzlich verdunkelten Rückenpartie. Zur Verpuppung gruben sich die Raupen nicht in die Erde ein, sondern fertigten zwischen Papier oder Blättern direkt an der Erdoberfläche eine Höhle mit einem dünnen und fragilen Erdkokon. Bereits nach einer Woche waren alle Raupen verpuppt. Etwa vier Tage (je nach Umgebungswärme) vor dem Schlüpfen der Falter verfärben sich die Flügelscheiden der Puppen. Während sich die die Zeichnung des Flügelmusters immer deutlicher abzeichnet, verdunkeln sich die Augen vorher nicht, wie dies bei anderen Arten vor dem Schlüpfen üblich ist.

Bild 4: Puppen. Foto: Julian Bittermann.

Die ersten Falter schlüpften bereits drei Wochen nach dem Eintragen der Raupen. Aufgrund des mangelnden Futterangebotes und zur Streuung des Zuchtrisikos hatte der Autor 10 Raupen an Georg Nowak abgegeben. Daraus schlüpften bereits 3 Falter am 23.08.2013 und 6 Falter am 25.08.2016. Die Schlupfdaten aus der Zucht des Autors sind: 28.08.2016 1 Falter, 29.08.2016 3 Falter, 30.08.2016 4 Falter, 31.08.2016 1 Falter und der 01.09.2016 1 Falter. Somit beträgt die Puppenruhe je nach Durchschnittstemperatur ca. 2-3 Wochen. Zwei Puppen waren zwar voll entwickelt, die Falter starben jedoch in der Puppenhülle ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 5: Gezüchteter Falter auf Oleander. Foto: Julian Bittermann.

Zwei Weibchen und zwei Männchen wurden von Georg Nowak zur Nachzucht angesetzt. Zu diesem Zwecke wurde ein großer, blühender Oleanderstrauch in ein Zimmer gestellt. Dieser sollte den frei fliegenden Faltern die Möglichkeit zur Nektaraufnahme, Paarung und Eiablage bieten. Zusätzlich wurden alle zwei Tage Handfütterungen mit Honigwasser durchgeführt. Die männlichen Falter überlebten so 14 Tage, die weiblichen 18 Tage. Die Nachzucht misslang jedoch aufgrund nicht eingegangener Kopula. Bemerkenswert ist, dass die Weibchen erst nach dem Tod der Männchen in den frühen Morgenstunden noch bei Dunkelheit zu locken begannen.

In Bayern wie auch in den anderen Bundesländern gilt der Oleanderschwärmer in günstigen Jahren als äußerst seltener Wandergast. Dem Autor sind aus Bayern nur wenige Nachweise bekannt. Vielleicht trägt dieser Beitrag dazu bei, in nächster Zeit das gezielte Augenmerk auf diese exotische Art zu lenken. Über die Meldung weiterer bayerischer Nachweise würde ich mich freuen! Julian.Bittermann [at] gmx.de

Ergänzung [25.11.2016]:

Als Ergebnis des Aufrufes und zusätzlicher Recherche wurden weitere aktuelle Funde des Oleanderschwärmers in Bayern bekannt, welche nachfolgend aufgelistet werden.

Schichtstufenland (SL): Naturraum 113 Mittelfränkisches Becken: Landkreis Forchheim, Gosberg, Sommer 2011, Innenhof mit mehreren Kübelpflanzen, an Oleander ca. 20 Raupen, leg./det. Johannes Moor. Davon wurden einige zur Zucht mitgenommen, die Falter befinden sich in coll. Dr. Günther Kleinecke (pers. Mitt. Johannes Moor am 31.08.2016); Naturraum 071 Obermainisches Hügelland: Bayreuth Stadt, Ökologisch-Botanischer Garten UNI Bayreuth. Puppenfund am 13.10.2016 auf Erdoberfläche eines Pflanzkübels mit Oleander im Überwinterungs-Gewächshaus, leg. Guido Arneth, det. Julian Bittermann. Der Falter schlüpfte am 10.11.2016. coll. UNI Bayreuth (pers. Mitt. Dr. Marianne Lauerer); Naturraum 070 Oberpfälzisches Hügelland: Landkreis Neustadt an der Waldnaab, Altenstadt an der Waldnaab, Anfang September 2016 ein Raupenfund (L5) an einem Oleanderbusch det. Manfred Ströhle (pers. Mitteilung am 18.09.2016); Naturraum 070 Grabfeldgau: Landkreis Coburg, Bad Rodach, Heldritterstr. 5, am 04.09.2016 drei erwachsene Raupen an Oleander leg./det. Anke Schäfer (pers. Mitt. Anke Schäfer).

Alpen und Alpenvorland (AVA): Naturraum 038 Inn-Chiemsee-Hügelland: Landkreis Traunstein, Staudach-Egerndach, am 12.09.2016 sechs erwachsene an Oleanderbusch, leg./cult. Georg Kattari. Quelle: Lepiforum vom 01.11.2016 http://www.lepiforum.de/2_forum_2013.pl?md=read;id=31657; Landkreis Traunstein, Grassau, am 25.09.2016 vier erwachsene Raupen an Oleanderbusch, leg. Gisela Nowak. Quelle: Lepiforum vom 02.11.2016 http://www.lepiforum.de/2_forum_2013.pl?md=read;id=31685

Zitiervorschlag: Bittermann, J. 2016: Ein aktueller Fund des Oleanderschwärmer Daphnis nerii (LINNAEUS, 1758) in Oberfranken. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [15.09.2016]

 

Breitet sich Polyphaenis sericata in Nordbayern aus? mitgeteilt von Werner Wolf 2015/16

Die in Bayern v.a. aus der Südlichen Frankenalb (klassischer Fundort: Matting) bekannte Art ist auch noch entlang der Donau von Bergheim über Ingolstadt (aktuelle Nachweise von 2014) und Kelheim bis zu den Hängen des Falkensteiner Vorlandes an der bayerischen Landesgrenze gemeldet. Ein in Steinebach am Wörthsee gefangenes Exemplar (Wolfsberger, 1950) ist immer als verflogenes Stück angesehen worden, da die Art im gesamten nördlichen Alpenvorland fehlt. Die genannten bayerischen Fundorte definier(t)en die nördliche Arealgrenze von P. sericata in diesem Teil Mitteleuropas, da die Meldung aus Thüringen (s. Bergmann, 1954:706) als zweifelhaft oder zufällige Einschleppung betrachtet wird.
2009 beobachtete ich nun ein Exemplar am Licht im Lauterachtal (Mittlere Frankenalb), also ca. 40km vom nächsten bekannten Fundort entfernt. Die dortigen Habitate dürften der wärmeliebenden Art zusagen, sodass von einer bisher nicht bekannten Population und nicht von einer Zuwanderung ausgegangen wurde.
Umso größer dann die Überraschung, als am 14.7.2012 in meiner Lebendlichtfalle am Wohnhaus in Bindlach (Obermainisches Hügelland) ein Männchen auftauchte. Da zwar geeignete Entwicklungshabitate an den Muschelkalkzügen des Bayreuther Umlandes existieren, die Art dort aber in den vielen Jahrzehnten intensiver Erforschung nie nachgewiesen werden konnte, wurde dieser Fund als „verflogen“ eingeschätzt (Entfernung vom Fundort im Lauterachtal ca. 75km!). Am 10.7.2015 fand sich jetzt wiederum ein Männchen in der besagten Lichtfalle, und damit stellt sich nun doch die titelgebende Frage: Breitet sich Polyphaenis sericata in Bayern nach Norden hin aus? Steiner (1997:339) führt für Baden-Württemberg aus, dass „Beobachtungen aus dem urbanen Bereich belegen, daß P. sericata in den letzten Jahrzehnten auch anthropogene Habitate erobert hat.“ Nun, Ligusterhecken als Grundstücksumfriedung befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Lichtfallenstandortes, ob sie als Entwicklungshabitat in Frage kommen, erscheint mir aber zweifelhaft. Jedenfalls wäre ich an der Übermittlung eventueller weiterer Funde dieser Art aus Nordbayern sehr interessiert.

Ergänzung [25.7.2016]:
Nachdem in der Nacht vom 13. auf den 14.7.2016 ein weiteres frisches Exemplar in die Lichtfalle gelangte, ist m.E. von einer etablierten Population im näheren (nächsten) Umfeld (Siedlungsbereich) auszugehen.

Literatur:   Bergmann, A. (1954): Die Großschmetterlinge Mitteldeutschlands, Bd. 4/2. – Jena.   Steiner, A. (1997): Polyphaenis sericata (Esper, 1787), S. 336–340. In Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Bd. 6. – Stuttgart.   Wolfsberger, J. (1950): Neue und interessante Macrolepidopterenfunde aus Südbayern und den angrenzenden nördlichen Kalkalpen (Zweiter Beitrag zur Fauna Südbayerns). – Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 40:207–236.   Zitiervorschlag: Wolf, W. 2016: Breitet sich Polyphaenis sericata in Nordbayern aus? Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [25.07.2016]