Tagfalter

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Der Braune Eichenzipfelfalter (Satyrium ilicis) (Esper, [1779]) in Südbayern - Aktuelle Neunachweise und Erstnachweis der Eiablage an Zerreiche (Quercus cerris) für Bayern. Mitgeteilt von Oliver Böck und Philipp Eckardt am 16.01.2026.

Dieser Text ist eine kleine Vorveröffentlichung. Eine größere Veröffentlichung ist gerade in Erarbeitung und enthält genauere Untersuchungen zur Verbreitung, Gefährdung, den Habitatansprüchen und zu Schutzmaßnahmen der Art in Südbayern. Die Untersuchungen sollen Ende 2026 abgeschlossen sein und die Resultate danach publiziert werden. Hier handelt es sich nur um erste Ergebnisse, wobei auf Untersuchungen in der Stadt München (mit der Ausnahme des Erstfundes von zwei Eiern an Quercus cerris) hier nicht explizit eingegangen wird, da sie Teil eines geplanten Artenhilfsprogramms der Stadt München in enger Kooperation mit den Bayerischen Staatsforsten sind.

Satyrium ilicis ist eine Lichtwaldart, für die es vor allem im benachbarten Ausland, in den Niederlanden (Wallis de Vries 2008, 2016 und 2017, Ablas & Van Swaay 2024), in Belgien in Flandern (Jacobs et al., 2014, Jacobs 2024) und der Schweiz (Schiess-Bühler 2004) Artenhilfsmaßnahmen gibt. Untersuchungen zur Art sind in Deutschland für Baden-Württemberg (Schurian & Prosi 2020, Hermann 2021, Schenk et al., 2025) grenzübergreifend für das Saarland und Lothringen (Strätling, R. 2010, Strätling, M. 2025 und Strätling M. in Vorbereitung) und die Hauberge in Hessen bekannt. Dort im Lahn-Dill-Kreis liegt der Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland, mit den größten aktiv bewirtschafteten Niederwäldern mit ca. 2000 ha Fläche (Kamp 2022, Graser et al., 2023, Franzen 2023). Ebenfalls erwähnt werden muss die Untersuchung von Köstler 2005 für die Region Nürnberg, da es sich um die einzige genauere Veröffentlichung zur Ökologie des Braunen Eichenzipfelfalter aus Bayern handelt.

In den Roten Listen Bayerns (Voith et al., 2016) bzw. bundesweit (Musche et al., 2025) wird die Art als stark gefährdet geführt. ihr wurde sogar ein eigenes Kapitel in der neuesten Roten Liste für Tagfalter und Zygaenen gewidmet, um die besondere Gefährdungssituation dieser Lichtwaldart aufzuzeigen. Sie kann in Süd- und Mitteldeutschland als Leitart von eichenreichen Stockausschlagswäldern (Mittel-/Niederwälder) und ehemaligen Waldweiden bezeichnet werden (eigene Beobachtungen Erstautor, vgl. u.a. Graser et al. 2023, Strätling, M. 2025). Sie war als Nieder- und Mittelwälder sowie Waldweiden unsere Landschaft prägten (vgl. Vollmuth 2021 und Vogel 2024) in Bayern sicherlich weit verbreitet. In neuerer Zeit verbleiben nach Aufgabe dieser traditionellen Waldnutzungsformen vielfach nur noch großflächige durch Käferkalamitäten und Windwürfe entstandene Lichtungen als Habitate. Sie findet sich auch gerne an stufigen Waldinnensäumen hin zu breiten Waldwegen und an Waldaußensäumen hin zu extensiven Wiesen oder Weiden (eigene Beobachtung Erstautor). Daneben können auch Stromtrassen (https://www.tagfalterbayern.de/), Straßenböschungen, Bahnböschungen (https://www.tagfalterbayern.de), Sandabbaustätten (z.B.bei Nürnberg und Kallmünz), sowie ebendort Kalkmagerrasen (https://www.tagfalterbayern.de und mündl. Mitt. Mayrock) mit Eichenjungaufwuchs besiedelt werden (Köstler 2005, Bolz 2013, Musche et al., 2025). In Nordbayern dem Verbreitungsschwerpunkt der Mittelwaldbewirtschaftung in Deutschland (vgl. u.a. Vollmuth 2021 und Vogel 2024) lässt sich Satyrium ilicis vor allem in den noch aktiv bewirtschafteten Mittelwäldern des Südlichen Steigerwalds beobachten. Weitere Funde aus Mittelwäldern stammen u.a. von den Eierbergen (Ldkr. Lichtenfels) (eigene Beobachtung Erstautor) und vom Brönnhof (Ldkr. Schweinfurt) (www. tagfalterinbayern.de). Aus Niederwäldern sind aktuell noch Vorkommen u.a. aus dem Grabfeld bekannt (schriftl. Mitt. Schmucker und Vogel).

Bis vor kurzem beschränkte sich die aktuelle Verbreitung in Südbayern mit Meldungen nach 2010 auf die lichten Eichen-Kiefern-Wälder zwischen München und Lohhof (Hartlholz, Korbianiholz, Schweizer Holz, Berglwald und Mallertshofer Holz). Diese wurden früher teilweise kleinflächig immer wieder als Truppenübungsplatze, Waldweiden und Mittelwälder (z.B. NWR Fasanarie) genutzt. Teilweise bestimmten Nadelhölzer wie im Berglwald und im Schweizer Holz bis in die 1960er Jahre das Waldbild und nur ein geringer Anteil des Baumbestandes waren Eichen. Der Name Hartelholz leitet sich von Hart ab und bezeichnet eine frühere trockene Waldweide (Bauer 2001). Ein Zufallsfund gelang 2012 im Olympiapark, der auf eine Windverdriftung hindeutet (https://www.tagfalterbayern.de).  Im Rahmen des Biodiversitätsmonitorings konnte der Braune Eichenzipfelfalter auch für die Stadt München wieder nachgewiesen werden (https://ru.muenchen.de). Leider wurde die Art im Korbinianiholz nur als einzelner Falter beobachtet, im Mallertshofer Holz gelang kein Nachweis mehr, Auf beiden Flächen fehlt es an Jungeichenaufwuchs, zudem werden auf einer Fläche nordöstlich des Korbinianiholzes, zahlreiche Jungeichen eventuell durch zu starken Verbiss durch Schafe und Kaninchen, nicht zur Eiablage genutzt. Es sollte dort an eine Beweidungsanpassung gedacht werden (vgl. Wallis de Vries 2016). Geringe Populationsdichten waren 2025 an allen Beobachtungsorten festzustellen, denn der Falternachweis ist oft schwierig. Selbst im Berglwald (dem bisherigen Verbreitungsschwerpunkt) wurden nur vereinzelte Imagines aufgespürt. Deshalb wurde der Fokus auf die Eifunde an Jungeichen gelegt, da dies die einfachste Methode eines Nachweises ist (Hermann 2007). Dabei gelang der erste Nachweis für die Eiablage an Quercus cerris für Bayern im Hartelholz (Abbildung 1 und 2) durch den Erstautoren. Die Eiablage an der Zerreiche konnte davor bereits für Baden-Württemberg nachgewiesen werden, dort wurde diese sogar leicht präferiert (Schenk et al., 2025).


Abbildung 1: Zwei Eier von Satyrium ilicis an Quercus cerris, Hartelholz München. (Foto: Oliver Böck, 30.10.2025)


Abbildung 2: Habitat von Satyrium ilicis mit Quercus cerris, Hartelholz München. (Foto: Oliver Böck, 30.10.2025)

Die Population im Schweizer Holz ist sehr klein und stark gefährdet, hier fehlt es an Jungeichenaufwuchs, die sechs gefundenen Eier befanden sich alle an drei nebeneinanderstehenden Eichen entlang einer größeren Wegkreuzung, die neu entstandenen Lichtungen konnten anscheinend bis dato nicht besiedelt werden. Alte Flächen weiter westlich sind leider nicht mehr als Habitat tauglich. Im Berglwald finden sich noch ausreichend große Lichtungen/Lichtungssysteme oder Waldinnen-/außensäume mit teilweise gutem Jungeichenaufwuchs. Insgesamt konnten dort 108 Eier gefunden werden, teilweise auch mehrere, bis zu sechs Eiern an einer Eiche (Abbildung 3). Die geringen Individuendichten und Eizahlen im Vergleich zu nicht publizierten Daten von Dumke aus den Jahren 2018 und 2019 sprechen für einen Rückgang. Zu bedenken sind sicherlich u.a. auch natürliche Populationsschwankungen, wie schon Köstler 2005 für die Region Nürnberg aufzeigt, denn der Anteil an größeren Lichtungsflächen hat sich nicht verkleinert. Der Populationsverbund hin zu den anderen Flächen scheint sich aber deutlich verschlechtert zu haben. Die Verinselung der Lichtungsflächen stellt ein Problem dar, da die Art in Metapopulationen lebt, die von der Vernetzung der einzelnen Teillebensräume abhängig ist. Dieser Biotopverbund schafft eine Reduktion des Aussterberisikos. Die nächsten geeigneten Flächen können wahrscheinlich im Gebiet nicht, bzw. nicht mehr schnell genug besiedelt werden, um Habitatverluste an anderer Stelle zu kompensieren (siehe Probleme Schweizer Holz), da die Art nur in Jahren größerer Populationsdichten abwandert (vgl. u.a. Hermann & Trautner 2019 und Schenk et al., 2025). Was auffiel war, dass viele Eichen von Brombeeren (Rubus spec.) überwachsen waren und kaum zur Eiablage genutzt wurden. Rubus spec. bietet zwar Blütennahrung für die Imagines, schafft bei einer Überwachsung deutlich mehr Schatten und somit ein anderes Kleinklima. Die Eiverteilung war nicht strikt an eine Exposition gebunden, wobei eine nördliche Exposition knapp präferiert wurde, was auch aus der Ostalb von Schenk et al., 2025 berichtet wird. Studien von Strätling 2010 und aus Belgien Jacobs et al., 2014 zeigten hingegen eine klare Präferenz für eine südlichen Exposition bei der Eiablage. Eventuell spielen klimatische Gründe bei der Wahl eine Rolle. Die Eier fanden sich immer unter einer Höhe von 50 Zentimetern am Stiel der Eichen meist unter 25 cm (87,5%). Dabei zeigte sich keine klare Präferenz, ob es sich um einen glatte oder eine raue Rinde handelte (55:45%). Bei Schenk et al, 2025 wird hingegen von einer klaren Präferenz einer glatten Rinde mit 96,6 Prozent berichtet. Es wurden Eichen mit einer Wuchshöhe von 25-230 cm belegt. Ein Eifund gelang an einem niedrigen Ast einer 20 Meter hohen Quercus robur durch 2018 im Hartelholz (mündl. Mitt. Dumke). Die durchschnittliche Höhe der belegten Eichen war 143 cm also sehr ähnlich der Studie auf der Ostalb, dort waren es 139 cm (Schenk et al., 2025). Das neue Lichtungen, bei guter Vernetzung, schnell besiedelt werden können, zeigt der Nichtfund/Fund im März 2025/Oktober 2025 am Rande einer 2024 neu entstandenen Fläche im Berglwald. Weitere Untersuchungen hierzu erfolgen 2026.

Ein sensationeller Fund von zwei Eiern an Stieleiche (Querucs robur) gelang dem Zweitautoren am 2.3.2024 im Donau-Isar Hügelland am Fuchsberg bei Aichach-Friedberg. Die Eier befanden sich dabei in ca. 25 cm Ablagehöhe (Abbildung 4) in einer Lichtung mit Jungeichenaufwuchs. Dies stellt den Wiedernachweis für Schwaben nach 50 Jahren dar. Der Letztnachweis erfolgte 1974 bei Augsburg-Siebenbrunn. Nachsuchen 2025 hatten am Fundort keinen Erfolg. Durch die in der Region großflächig durch Käferbefall entstehenden Lichtungen ist ein Vorkommen der Art nicht ausgeschlossen. Insbesondere die Flächen im Bernbacher Wald und im Neuachwald und Ruinenwald bei Schnellmannskreut werden noch genauer untersucht.


Abbildung 3: 4 Eier von Satyrium ilicis an Stieleiche Quercus robur im Berglwald (Foto: Oliver Böck)


Abbildung 4: 2 Eier von Satyrium ilicis an Quercus robur, Fuchsberg bei Aichach. (Foto: Philipp Eckardt, 02.03.2024)

2024 wurde dem Portal Tagfalter in Bayern die Art für den Mühldorfer Hart (ehemalige Waldweide) im Naturraum Unteres Inntal von Elisabeth Naurath gemeldet (https://www.tagfalterbayern.de). Unabhängig voneinander konnten der Erstautor und Frau Naurath am 28.6.2025 insgesamt 15 Falter finden. Bei einer gemeinsamen Exkursion der beiden Autoren am 6.7.2025 konnten fünf Imagines und bei einer kleinen Stichprobe insgesamt 17 Eier an Quercus robur nachgewiesen werden. Die Hauptnahrungspflanze der Imagines von Satyrium ilicis war der Einjährige Feinstrahl (Erigeron annuus), der sehr invasiv auf einigen der Flächen auftrat. Als Prädator konnte die Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) nachgewiesen werden (Abbildung 5 und 6). Bis zu sechs Eier wurden an einer Quercus robur entdeckt (Abbildung 7). An der ebenfalls angepflanzten Roteiche (Quercus rubra) wurden bei kursorischer Nachsuche keine Eier gefunden. Habitat sind dort riesige Lichtungen, die mit Eichenjungaufforstungen bestanden sind und gegen Verbiss mit hohen Zäunungen geschützt werden. Dort stellt das Überwachsen durch Adlerfarn (Pteridium aquilinum) eine gewisse Gefährdung dar (Abbildungen 8 und 9). Bis jetzt wurde Satyrium ilicis in den Waldabteilungen Ampfinger Holz und Lochheimer Holz gefunden. Die Verbreitungssituation in der Mühldorfer Hart wird 2026 nochmals genauer ermittelt, da auch entlang des Inndamms viele Jungeichen stehen und größere Lichtungen im Mettenheimer Holz, Neufahrner Holz, und in den Waldabteilungen Dreimark und Holzteile vorhanden sind.

Weitere wertgebende Lichtwaldarten waren Apatura iris, Apatura ilia (beide Mühldorfer Hart), Boloria euphrosyne (Münchener Norden) Boloria selene (nur Berglwald und Schweizer Holz), Coenonympha arcania (alle Gebiete), Fabriciana adippe (alle Gebiete) und Melitaea athalia (Mühldorfer Hart). Lasiomata maera ist wahrscheinlich nördlich Münchens ausgestorben.

Im Umfeld bestehen weitere Waldungen, die für die Art geeignet erscheinen. Eine Nachsuche in den Wäldern nördlich von Tüßling durch den Erstautoren verlief negativ. Die Art fehlt hier vermutlich, da die Flächen vornehmlich mit Linden (Tilia spec.) und Lärchen (Larix spec.) bepflanzt sind. Nur im Spiderer Holz fanden sich geeignete Habitate, die aber keinen Nachweis erbrachten. Im Hochholz befanden sich geeignete Eichenpflanzungen leider hinter Umzäunungen und konnten nicht kontrolliert werden. Weitere Nachsuchen werden im Garchinger Hart, am Tannberg und Taxberg nordwestlich von Waldkraiburg sowie in den Alzbrennen/Stromleitungstrasse bei Unteremmerting (Letztnachweis 2008) 2026 erfolgen. Die derzeitige Verbreitung in Südbayern findet sich in Abbildung 10.


Abbildung 5: Weibchen von Satyrium ilicis an Erigeron annuus. (Foto: Oliver Böck, 06.07.2025)


Abbildung 6: Falter von Satyrium ilicis an Erigeron annuus von Misumena vatia erbeutet. (Foto: Oliver Böck, 06.07.2025)


Abbildung 7: Bildmitte: Quercus robur mit 6 Eiern, links oben: Stieleiche mit 2 Eiern von Satyrium ilicis. (Foto: Oliver Böck, 06.07.2025)


Abbildung 8: Habitat von Satyrium ilicis mit starkem Bewuchs von Erigeron annuus und Überwachsung der gezäunten Bereiche mit Pteridium aquilinum im Ampfinger Holz. (Foto: Oliver Böck, 28.06.2025)


Abbildung 9: Große Lichtung als Habitat von Satyrium ilicis mit Anpflanzung von Quercus robur und Quercus rubra im Lochheimer Holz. (Foto: Oliver Böck, 06.07.2025)


Abbildung 10: Verbreitung von Satyrium ilicis in Südbayern. Schwarze Kreise: Nachweise ab 2012, dunkelgraue Kreise u. Rechtecke: nach 1990, hellgraue Kreise und Rechtecke nach 1970, weiße Kreise u. Rechtecke: vor 1970. Datenquelle: Tagfalter in Bayern; Karte: OpenStreetMap

Der besondere Dank gilt Markus Bräu für die kritische Durchsicht des Manuskripts, Markus Dumke für Meldungen/Homepage. Für den intensiven Austausch: Gabriel Hermann (Planungsbüro Trautner), Maria Reuther (BaySF) und Prof. Sebastian Vogel (Hochschule Osnabrück). Elisabeth Naurath für Treffen/Meldungen. Jürgen Mayrock, Maximilian Schmucker und Marcel Unbehaun für Hinweise zur Art.

Literatur: Ablas, W. & van Swaay, C. (2024): De Bruine eikenpage (Satyrium ilicis) in Limburg. In: Natuurhistorisch Maandblatt Jaargang 113. S. 105-113. Bauer, R. (2001): Essay: Herkunft und Bedeutung von Flurnamen in Hirtlbach - In: Amperland vol. 37 (2000) p. 358-361. Bolz, R. (2013): Brauner Eichenzipfelfalter Satyrium ilicis (Esper, 1779). In: Bräu, M., Bolz, R., Kolbeck, H., Voith, J. & Wolf, W. (2013): Tagfalter in Bayern. Ulmer-Verlag, S. 229-231. Franzen, A. (2023): Populationsgröße und Habitat des Braunen Eichen-Zipfelfalters (Satyrium ilicis (Esper, 1779)) in aktiven Niederwäldern. Bachelor-Arbeit im Studiengang B. Sc. Biologische Diversität und Ökologie. Georg-August-Universität Göttingen. 25 S. Graser, A., Kelling, M., Pabst, R., Schulz, M., Hölzel, N. & Kamp, J. (2023): Habitat quality, not patch isolation, drives distribution and abundance of two light-demanding butterflies in fragmented coppice landscapes. J. 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Internet: https://ru.muenchen.de/2025/139/Sensationeller-Wiederfund-seltener-Tagfa... https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=194405 https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=943901 https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1005286 https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1044849 https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1081089. Zitiervorschlag: Böck, O. & P. Eckardt (2026): Der Braune Eichenzipfelfalter (Satyrium ilicis) (Esper, [1779]) in Südbayern - Aktuelle Neunachweise und Erstnachweis der Eiablage an Zerreiche (Quercus cerris) für Bayern. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [16.01.2026]

 

Wiederfund von Brenthis daphne ([Denis & Schiffermüller], 1775) für Bayern in Unterfranken. Mitgeteilt von Oliver Böck und Walter Mark am 21.12.2025

Der Brombeer-Perlmuttfalter (Brenthis daphne) besiedelt lichte Waldlückensysteme mit Lichtungen, Sukzessionsflächen und breiten Wegrändern mit Säumen in warmem Regionalklima. In Baden-Württemberg werden außerdem südwestexponierte Dämme und aufgelassene Steinbrüche besiedelt (Fritsch 2005). Von dort gab es den Erstnachweis der Art für die westlichen Bundesländer.
Die Letztbeobachtung bis dahin erfolgte in Brandenburg je nach Betrachtung entweder 1979 (Richert 1999) oder 1981 bei Liebenwalde (https://www.schmetterlinge-brandenburg-berlin.de/index.php/arten-verbrei...). In Rennwald (2020) ist zu lesen, dass die letzten Falter noch Anfang der 1990er Jahren gefunden wurden.
1995 und 1996 erfolgte eine erste Einwanderung aus dem Elsass nach Baden-Württemberg und 2002 nochmals eine weitere, die für eine feste Etablierung der Art am südlichen Oberrhein sorgte (https://www.schmetterlinge-bw.de/). Der Erstfund aus Rheinland-Pfalz stammt von 2003, diese wurde aus Südwesten also ebenfalls aus dem Elsass erreicht (Eller 2007). 2004 dann das Saarland (Ulrich 2005). Dabei verläuft die Ausbreitung Richtung Norden bei weitem schneller als gegen Osten hin. Nordrhein-Westfalen wurde 2015 zuerst besiedelt und die Ausbreitung erfolgte nun nördlich bis Hagen (Radtke et al. 2024). Aktuell wurde die Art in Gelsenkirchen nachgewiesen (https://observation.org). Ausbreitungtendenzen entlang der Flusstäler werden auch aus Mähren in der Tschechischen Republik gemeldet (Spitzer & Beneš 2022).
Nach Bayern ist die Art nun über den Main aus Hessen eingewandert, von wo die erste Meldung aus dem Mittelrheintal von 2012 stammt (Hornemann & Geier 2013). Bei Frankfurt wurde sie schon seit 2017 am Flughafen beobachtet (Müller persönl. Mitteilung).
In Bayern gab es bis dato nur wenige Nachweise der Art. Die letzte Meldung aus Passau stammt von Frank von 1917 (ZSM). Die letzten Nachweise von 1983 durch Thomas Raute und Ralph Sturm sind belegt, ob es sich um autochthone Populationen gehandelt hat, bleibt fraglich (Bolz 2013). Die erste Wiederbeobachtung für Bayern erfolgte am 28.6.2025 (Abb. 1) durch Walter Mark und wurde im Lepiforum gemeldet: (https://forum.lepiforum.org/). Das Individuum saugte dabei an einer Brombeerhecke entlang eines Waldaußensaums des Niedernberger Waldes der naturräumlich zum Sandsteinodenwald zählt. (Abb. 2). Am 29.6.2025 beobachtete Elisabeth Görge in Alzenau-Hörstein ein zweites Exemplar an Buddleja davidii in einem Hausgarten saugend. Dieser Fund wurde erst am 16.11.2025 im Lepiforum zur Bestimmung angefragt (https://forum.lepiforum.org) und von Philipp Eckardt als Brenthis daphne erkannt. Naturräumlich gehört der Fund in die Untermainebene. Eine Meldung auf observation.org aus dem NSG Gräfholz-Dachsberge vom 14.6.2025 wurde auf Grund eines fehlenden Belegfotos und des gleichzeitigen Vorkommens von Brenthis ino, mit dem eine Verwechslungsgefahr besteht, nicht aufgenommen. Es sollte in nächster Zeit vor allem im Sandsteinodenwald, Hinteren Odenwald und entlang der gesamten Untermainebene auf die Art in lichten Wäldern und Waldaußenrändern mit Brombeerbeständen geachtet werden. Eine weitere Ausbreitung über das Taubertal zur bayrischen Grenze ist ebenfalls gut möglich. Funde können gerne bei Tagfalter in Bayern (www.tagfalterbayern.de) gemeldet werden.


Abb. 1: Erstnachweis von Brenthis daphne in Bayern im Niedernberger Wald an Rubus spec. saugend. (Foto: Walter Mark, 28.6.2025).


Abb. 2: Fundstelle von Brenthis daphne an der Einfahrt zum Niedernberger Wald. (Foto: Walter Mark, 1.7.2025).

Literatur: Bolz, R. (2013): Der Brombeer-Perlmuttfalter Brenthis daphne (Denis & Schiffermüller, 1775) S. 344. In Bräu M., Bolz R., Kolbeck H., Nunner A., Voith J. & Wolf W.: Tagfalter in Bayern. - Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer. 784 S. Eller, O. (2007): Brombeer-Perlmutterfalter - Brenthis daphne ([Denis & Schiffermüller, 1775]). In: Schulte, T., Eller, O., Niehuis, M. & E. Rennwald (2007). In: Die Tagfalter der Pfalz, Band 1. - Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Beiheft 37: 435-440. Fritsch, D. (2005): Der Brombeer-Perlmutterfalter (Brenthis daphne) - in Baden-Württemberg bodenständig. In: Ebert, G. (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10, Ergänzungsband. Ulmer-Verlag (Stuttgart), 47-48. Hornemann, A. & Geier, T. (2013): 30. Brenthis daphne ([Denis & Schiffermüller], 1775) (Lepidoptera: Nymphalidae) inzwischen auch an der unteren Nahe und am hessischen Mittelrhein - der Erstnachweis für Hessen. - NF 33 (4): 187-188. Radtke, A., Dahl, A. & T. Laussmann (2024). Arealerweiterer und andere Erstnachweise von Großschmetterlingen in Nordrhein-Westfalen seit 1999 Teil 2: 2014-2023. - Melanargia 36 (2): 41-69. Rennwald, E. (2020): Brenthis daphne ([Denis & Schiffermüller, 1775]) - Brombeer-Perlmutterfalter, S. 238-239 In: Reinhardt R., Harpke A., Caspari, S., Dolek, M., Kühn, E., Musche, M., Trusch, R., Wiemers, M. & J. Settele (Hrsg.) (2020): Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands. - Ulmer Verlag (Stuttgart), 428 S. Richert, A. (1999): Die Großschmetterlinge (Macrolepidoptera) der Diluviallandschaften um Eberswalde. Teil I (Allgemeiner Teil und Tagfalter). - Deutsches Entomologisches Institut (Hrsg). Eberswalde. 62 S. Spitzer, L. & J. Beneš (2022): Šírení perletovce ostružinového (Brenthis daphne) (Lepidoptera: Nymphalidae) na Morave a ve Slezsku. Expansion of the Marbled Fritillary (Brenthis daphne) (Lepidoptera: Nymphalidae) in Moravia and Silesia. - Acta Carpathica Occidentalis 13: 68-76. Ulrich, R. (2005): Der Brombeer-Perlmuttfalter Brenthis daphne (Denis & Schiffermüller, 1775) - seit 2004 neu im Saarland. - Aus Natur und Landschaft im Saarland, Abh. DELATTINIA 31: 127-133, Saarbrücken. Online: https://forum.lepiforum.org/post/986380. https://forum.lepiforum.org/post/1000046. https://observation.org/observation/357485102/. https://observation.org/observation/362293300/. https://www.schmetterlinge-bw.de/Lepi/EvidenceMap.aspx?Id=441736. Zitiervorschlag: Böck, O.& W. Mark (2025): Wiederfund von Brenthis daphne (Denis & Schiffermüller, 1775) für Bayern in Unterfranken. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [21.12.2025]
 


Zur aktuellen Situation von Lycaena virgaureae (Linnaeus, 1758) in Bayern und Wiederfunde in den Chiemgauer Alpen. Mitgeteilt von Oliver Böck und Annette Schulten am 15.12.2025

Der Hauptverbreitungsschwerpunkt des Dukatenfalters (Lycaena virgaureae) liegt in Nordostbayern mit zahlreichen aktuellen Meldungen aus dem Frankenwald und dem Fichtelgebirge. Ansonsten nur mehr kleinräumige nordbayerische Vorkommen im Oberpfälzer und Bayerischen Wald, im Falkensteiner Vorwald, der Nördlichen Frankenalb, aus der Rhön und dem Hinteren Odenwald. An der Untermainebene ein Letztnachweis 2020 durch Walter Mark (www. naturgucker.de). Im Odenwald wurde die Art in Baden-Württemberg 2013 neu entdeckt und seitdem regelmäßig beobachtet (https://www.schmetterlinge-bw.de/). Die Populationen im Odenwald sind die letzten in Baden-Württemberg, nachdem der Dukatenfalter im Schwarzwald ausgestorben ist (Steiner & Trusch 2025). Die Funde auf bayerischer Seite sind seit 2017 bekannt. Bernhard Stöckhert und Astrid Schirner konnten die Art dort aktuell 2025 bestätigen (https://www.tagfalterbayern.de).
Ansonsten scheint Lycaena virgaureae sich aus vielen Gebieten, wo sie noch in den 1990er Jahren gemeldet wurde, zurückgezogen zu haben, was sich auch in der aktuell hohen Rote Liste Einstufung der Art (RL BY: 2, RL D: 2) zeigt (Voith et al. 2016). Im Vergleich zur alten Roten Liste Deutschland (Reinhard & Bolz 2011) wurde sie von der Vorwarnliste auf stark gefährdet um zwei Stufen hochgestuft. Der Klimawandel steht als Rückgangsursache vor allem bei einigen Flachlandpopulationen im Raum (Musche et al. 2025). Des Weiteren werden noch Aufforstungen von Lichtungen, die Intensivierung oder das Brachfallen von extensiven Wiesen und Weiden an Waldaußensäumen und Bachläufen sowie das Mulchen von Wegrändern genannt (Schlumprecht & Bräu 2013).
Besonders drastisch ist die Situation in Südbayern. Schon die Arbeit von Sage (2018) zeigt den Rückgang der Art in Teilen Südostbayerns auf. Nachsuchen an verschiedenen Stellen (z.B. Ebersberger Forst, Gennachhausener Moos) in den letzten 20 Jahren waren erfolglos, im Ebersberger Forst erfolgte der Letztnachweis 2013 (Schlumprecht & Bräu 2013). Die einzigen gesicherten Nachweise aus Südbayern danach existierten aus den Berchtesgadener Alpen. Die Fundorte um den Jenner und auf der Fischunkelalm konnten 2025 bestätigt werden (https://www.tagfalterbayern.de).
In den Chiemgauer Alpen erfolgte der Letztnachweis in den 1950er Jahren die Fundorte von Ludwig Wihr sen. lagen aber in den Talräumen auf 620-700m üNN. Von Stefan Kattari sen. existiert ebenfalls ein Belegexemplar von 1966 aus den Kendlmühlfilzen, welches aber noch zum Inn-Chiemsee-Hügelland gehört. Dieser Fund war noch nicht im Standardwerk von Bräu et al. (2013) verzeichnet. Neu-/Wiedernachweise der alpinen Form, die bei den männlichen Faltern auf der Vorderflügeloberseite einen Diskalfleck zeigen (Abb. 1, 2) für die Chiemgauer Alpen, stammen von der Zweitautorin. Sie beobachtete am 12.7.2025 und am 18.7. insgesamt drei Männchen am Steig der verfallenen Hochkienbergalm zwischen 1525-1615m üNN unterhalb des Gurnwandkopfes. Die Umgebung des Fundorts ist ein Mosaik aus alpinen Kalkmagerrasen mit Felsen, lichten Wäldern und Krummholzgesellschaften (Abb. 3). Eine Reaktivierung der Hochkienbergalm ist gerade geplant, dabei soll auch auf die Ansprüche von Lycaena virgaureae geachtet werden. Im Bundesland Salzburg sind in den nördlichen Kalkalpen wenige aktuelle Funde bekannt (https://www.hausdernatur.at/de/). Ein weiterer Fund eines Weibchens in den Chiemgauer Alpen gelang im Saalachtal südlich von Schneizlreuth auf rund 550m üNN am 12.8.2025 (https://observation.org). Die aktuelle Verbreitung in Südostbayern findet sich in Abb. 4.


Abb. 1: Männchen von Lycaena virgaureae mit Diskalfleck in den Chiemgauer Alpen. 12. Juli 2025, 1588m üNN (Foto: Annette Schulten).


Abb. 2: Männchen von Lycaena virgaureae mit Diskalfleck in den Chiemgauer Alpen. 18. Juli 2025, 1525m üNN (Foto: Annette Schulten).


Abb. 3: Flugstelle von Lycaena virgaureae in den Chiemgauer Alpen. 12. Juli 2025, 1588m üNN (Foto: Annette Schulten).


Abb. 4: Verbreitung der Art in Südostbayern. Schwarze Kreise: Nachweise nach 2012, dunkelgraue Kreise u. Rechtecke: nach 1990, hellgrauer Kreis nach 1970, weiße Kreise u. Rechtecke: vor 1970. Datenquelle: Tagfalter in Bayern; Karte: OpenStreetMap.

Literatur: Musche, M., Albrecht, M., Becker, J., Bittermann, J., Blanckenhagen, B. von, Böck, O., Caspari, A., Caspari, S., Dolek, M., Harpke, A., Hermann, G., Joger, H.G., Kolligs, D., Lange, A., Müller, D., Nunner, A., Pollrich, S., Reinelt, T., Rennwald, E., Schmitz, O., Schönborn, C., Schulze, W., Schurian, K., Strätling, R., Wachlin, V. & M. Wiemers (2025): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter und Widderchen (Lepidoptera: Papilionoidea & Zygaenidae) Deutschlands. - Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (11): 94 S. Reinhardt, R. & Bolz, R. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) Deutschlands. - Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), S. 167-194. Sage, W. (2018). Der Niedergang der Schmetterlinge in Südostbayern. Mitteilungen der Zoologischen Gesellschaft Braunau, 12, 267-295. Schlumprecht, H. & Bräu, M. (2013): Dukatenfeuerfalter Lycaena virgaureae (Linnaeus, 1758). - In: Bräu, M.; Bolz, R.; Kolbeck, H.; Nunner, A.; Voith, J. & Wolf, W.: Tagfalter in Bayern. - Stuttgart (Ulmer): 196 - 198. Steiner, A. & R. Trusch (2025): Rote Liste und Verzeichnis der Schmetterlinge Baden-Württembergs. - 4. Fassung, Stand 31.12.2023. - Naturschutz-Praxis Artenschutz 18, Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, Karlsruhe, 156 S. Online: https://www.hausdernatur.at/de/dukaten-feuerfalter-lycaena-virgaureae.html. https://naturgucker.de/natur.dll/fP8Tum~nU3VeSKrlVsI-H4iR23W/#ad-image-N.... https://observation.org/observation/369283482/. https://www.schmetterlinge-bw.de/Lepi/EvidenceMap.aspx?Id=441193. https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1242525. https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1237392. https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1256740. https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1270782. Zitiervorschlag: Böck, O.& A. Schulten (2025): Zur aktuellen Situation von Lycaena virgaureae (Linnaeus, 1758) in Bayern und Wiederfunde in den Chiemgauer Alpen. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [15.12.2025]
 

Pyrgus cacaliae (Rambur, 1839) - Neufund für das Karwendel- und Wettersteingebirge.
Mitgeteilt von Markus Dumke und Thomas Netter am 3.12.2025

Der Alpen-Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus cacaliae) war in Bayern bisher nur aus den Allgäuer Alpen und den Berchtesgadener Alpen bekannt. Historische Funde vor 1959 gab es zudem in den Ammergauer Alpen und im Mangfallgebirge (Haslberger 2013).

Zwischen dem 21.06. und 13.07.2025 fanden Thomas Netter, Markus Dumke, Alexander Ohr und Annika Vermaat die Art unabhängig voneinander in mehreren Exemplaren im Karwendelgebirge bei Mittenwald.

Weibchen von Pyrgus cacaliae im Karwendel bei Mittenwald (Foto: Markus Dumke, 22.06.2025)

Das Habitat ist ein lückiger alpiner Rasen im Bereich der Westlichen Karwendelspitze auf 2200m, durchsetzt mit Felsen. Als Nahrungspflanzen kommen hier Fingerkräuter (Potentilla) in Frage. Bei der weiteren Recherche zeigte sich, dass Christoph Moning dort bereits am 30.06.2019 einen Falter von Pyrgus cacaliae fotografiert hatte (iNaturalist).

Der Erstnachweis für das Wettersteingebirge erfolgte am 25.06.2025 im Bereich der Alpspitze durch Annika Vermaat (iNaturalist).

Es ist anzunehmen, dass die Art in diesen Gebieten auch schon früher vorkam, aber bisher übersehen wurde. Pyrgus cacaliae teilt sich den Lebensraum hier mit ähnlichen Pyrgus Arten, insbesondere Pyrgus andromedae. Eine Nachsuche in weiteren alpinen Gebieten in der Region wird empfohlen, zudem sollten die historischen Fundorte am Wendelstein und der Rotwand überprüft werden.

Literatur: Haslberger, A. (2013): Alpen-Würfel-Dickkopffalter Pyrgus cacaliae (Rambur, 1839) S.83-84. in Bräu M., Bolz R., Kolbeck H., Nunner A., Voith J. & Wolf W.: Tagfalter in Bayern.- Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer. 784 S. https://www.inaturalist.org/observations/54431738. https://www.inaturalist.org/observations/297260377. https://www.inaturalist.org/observations/297249965. Zitiervorschlag: Dumke, M. & T. Netter (2025): Pyrgus cacaliae (Rambur, 1839) - Neufund für das Karwendel- und Wettersteingebirge. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [03.12.2025]


Neue Nachweise des Großen Feuerfalters Lycaena dispar ([Haworth], 1802) in Südostbayern.
Mitgeteilt von Markus Dumke am 01.01.2022.

Summary: Through a targeted search for preimaginal stages, several new sites of the Large Copper Lycaena dispar were discovered in south-eastern Bavaria. The findings show the further spread of the species and which habitat types are used by the species there. Observations on the ecology of the preimaginal stages and butterflies are discussed further on.
Zusammenfassung: Durch gezielt Suche nach Präimaginalstadien konnten mehrere neue Fundorte des Großen Feuerfalters Lycaena dispar in Südostbayern entdeckt werden. Die Funde zeigen die weitere Ausbreitung der Art und welche Lebensraumtypen von der Art dort genutzt werden. Beobachtungen zur Ökologie der Präimaginalstadien und Falter werden im Weiteren diskutiert.


Einleitung
Der Große Feuerfalter kommt seit dem Jahr 2019 in Südostbayern vor. Im Jahr 2021 konnte der Autor durch gezielte Suche weitere Nachweise an bisher unbekannten Lokalitäten erbringen.

Verbreitung in Bayern
Lycaena dispar ist in Bayern erstmalig im 21. Jahrhundert nachgewiesen worden. Die ersten Beobachtungen stammen aus dem Jahr 2002 in Mainfranken, wo die Art aus Baden-Württemberg eingewandert ist (Bräu et al., 2013). Die Art hat sich in Nordwestbayern etabliert und kommt aktuell in Unterfranken in den Naturräumen Marktheidenfelder Platte, Mittleres Maintal, Wern-Lauer-Platte, Sandsteinspessart sowie Vorderer Spessart vor und erreicht im Süden den Südlichen Steigerwald. Weiter nördlich gibt es Nachweise auch aus der Rhön (LfU Bayern). In den letzten Jahren hat sich die Art zudem in Österreich westwärts ausgebreitet und ist im Jahr 2019 das erste Mal in Südostbayern eingewandert (Sage, 2019). Die Einwanderung aus Österreich erfolgte entlang der Flusstäler von Donau, Inn und Rott. Im Jahr 2021 konnte der Autor die Art an weiteren Stellen in Niederbayern nachweisen (Abbildung 1).

Neue Nachweise in Südostbayern
Im Jahr 2019 waren als Fundorte Jochenstein, Pfaffing bei Pocking, Bad Birnbach und Neuötting bekannt (Sage, 2019). In der Umgebung von Bad Birnbach konnte der Große Feuerfalter auch in den Jahren 2020 und 2021 mehrfach nachgewiesen werden (Stahlbauer, Tagfalter in Bayern). Im Sommer 2020 wurde ein Falter in der Nähe des Inns bei Julbach beobachtet (Sinner) und im August 2021 gab es einen Nachweis eines Männchens an der Alz bei Burghausen (Anonymous, iNaturalist). Weitere Nachweise sind 2021 aus dem Rottal bei Bad Griesbach bekannt (Maier, Lepiforum).
Das Nachsuchen des Autors konzentrierte sich dabei auf das Rottal zwischen Pocking und Eggenfelden sowie den Inn zwischen Ering und Marktl. Dabei wurde gezielt nach geeigneten Habitaten mit den Nahrungspflanzen der Raupen, verschiedenen Ampfer-Arten (Rumex spec.), und anschließend nach Eiern oder Raupen gesucht. Besonders im Rottal konnten dadurch ein lückenloses Verbreitungsareal zwischen Pfaffing bei Pocking im Osten und Eggenfelden im Westen belegt werden (Abbildung 2). Bei der Suche am Inn gelangen neue Funde bei Ering und Simbach am Inn.
 
Abbildung 1: Aktuelle Verbreitung von Lycaena dispar in Bayern (Stand: 31.12.2021, www.tagfalterbayern.de). Ergänzt um Funde vom LFU Bayern.



Abbildung 2: Fundpunktkarte in Südostbayern. Die meisten Fundpunkte stammen aus dem Rottal zwischen Pocking und Eggenfelden. Datenquelle: Tagfalter in Bayern; Karte: OpenStreetMap

Lebensräume
Das Rott- und Inntal sind stark durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt, großflächige Anbauflächen von Mais und anderen Feldfrüchten dominieren. Obwohl die Nahrungspflanzen der Art - verschiedene Ampfer-Arten - auch auf oder neben Ackerflächen, z.B. am Rande von Maisäckern, vorkommen, konnten bei stichprobenartigen Kontrollen hier keine Eier gefunden werden. Stattdessen konzentrieren sich die Nachweise auf Verkehrsrandstrukturen, vor allem entlang der Bahnlinie, aber auch am Rande von Straßen und Wegen (Abbildung 5). Hier werden sandige, nur lückig bewachsene und stark besonnte Strukturen an süd- oder westexponierten Böschungen besiedelt.
Durch die Suche nach Eiern bzw. Eihüllen an Ampfer-Arten entlang dieser Strukturen konnte die Art im Rottal zwischen Pocking und Eggenfelden in jedem Quadranten nachgewiesen werden. Die Fundorte liegen dabei in einer Höhenlage von 300m (Pocking) bis knapp 400m (Eggenfelden). Auch aus Nordbayern ist die Art nur aus den tiefsten Höhenlagen bis etwa 400m bekannt.
Weitere Habitate bilden Ruderalflächen im Bereich (ehemaliger) Kiesabbauflächen oder am Inn (Abbildung 6). Hier teilt sich Lycaena dispar das Habitat oft mit dem Kurzschwänzigen Bläuling Cupido argiades und lokal auch mit dem Idas-Bläuling Plebejus idas. Gemein ist allen Larvalhabitaten das wärmebegünstigte Mikroklima, was durch die offenen Bodenstrukturen um die Ampfer-Pflanzen gewährleistet wird (Abbildung 7). Hingegen konnten an Pflanzen, die in Wiesen von dichter Vegetation umgeben waren, kaum Eier gefunden werden. Das deutet auf den besonderen Wärmebedarf der Art an ihrer aktuellen Verbreitungsgrenze hin.

Ökologie
Mitte/Ende September gelangen zahlreiche Funde von Eiern bzw. verlassenen Eihüllen und Jungraupen (L1 bzw. L2). Die Eier wurden sowohl an Krausem Ampfer Rumex crispus und Stumpfblättrigem Ampfer Rumex obtusifolius abgelegt. Lokal wird auch der Fluss-Ampfer Rumex hydrolapathum genutzt, an dem in der Uferböschung des Inns eine Eihülle gefunden werden konnte. An geeignet stehenden Pflanzen konnten oft mehrere, in einem Fall bis zu 17 Eier gefunden werden, die in kleinen Gruppen auf den Blättern (sowohl oberseits als auch unterseits) verteilt waren (Abbildung 8). Im September waren neben Eiern und Eihüllen auch bereits kleinere Raupen der Art auf den Blattunterseiten nachweisbar (Abbildung 9). Falterbeobachtungen gelangen am 5.6.2021 und 11.6.2021 (erste Generation) sowie am 16.8.2020 (zweite Generation). An diesen Terminen konnten jeweils auch Eier nachgewiesen werden.
Ende September gelangen neben zahlreichen Ei- und Raupennachweisen, auch noch drei Falterbeobachtungen (1 Männchen am 19.9.2021, 1 Männchen und 1 Weibchen am 26.9.2021), wobei offenbleiben muss, ob diese zu Nachzüglern einer zweiten Generation oder bereits als Vertreter einer partiellen dritten Generation zu sehen sind. Blütenbesuche wurden vor allem an gelbblühenden Pflanzen wie Rainfarn Tanacetum vulgare, Goldrute Solidago spec. sowie Greiskraut Senecio spec. beobachtet, zudem an Margerite Leucanthemum spec., Dost Origanum vulgare, Blutweiderich Lythrum salicaria und Wasserdost Eupatorium cannabinum (Abbildung 4). Die Männchen besetzen Revierplätze an andersartigen Strukturen in der Vegetation, z.B. aus einer Wiese herausragende Gräser. Mehrere Männchen nahmen zudem an einem Bachlauf am Inn auf kleinen Weidenbüschen ihren Ansitz ein und waren wiederholt in Territorialkämpfe verwickelt (Abbildung 3, 5).

Zusammenfassung
Als Auslöser für die Einwanderung des Großen Feuerfalters in Südostbayern kann die klimatische Erwärmung mit einer Abfolge besonders warmer Jahre (z.B. 2018, 2019) vermutet werden. Eine weitere Ausbreitung des Großen Feuerfalters in Südostbayern erscheint daher auch in Zukunft wahrscheinlich. Als Ausbreitungskorridore scheinen Flusstäler und Verkehrsstrukturen (Bahnlinien, Straßenböschungen) zu dienen, eine weitere Ausbreitung im Donautal zwischen Passau und Regensburg, im Salzachtal zwischen Burghausen und Freilassing, entlang von Vils, Isar oder Rott sowie am Inn erscheint möglich. Es ist denkbar, dass die Art an vielen weiteren Stellen bereits eingewandert ist, aber aufgrund fehlender Nachsuche in diesen entomologisch selten untersuchten Gebieten noch nicht nachgewiesen wurde.
Die Nachweise zeigen, dass Lycaena dispar sehr mobil ist und geeignete Lebensräume auch in einer intensiv genutzten Landschaft finden kann. Für weitere Nachweise empfiehlt sich die gezielte Suche nach den charakteristischen Eiern, vor allem nach der Flugzeit der zumeist individuenstärkeren zweiten Generation zwischen August und Oktober. Um Meldungen dieser Art wird auf der Seite von "Tagfalter in Bayern" www.tagfalterbayern.de oder per Mail an info [at] tagfalterbayern.de gebeten.
Da Lycaena dispar europarechtlich nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie Anhang II und IV streng geschützt ist (BfN, 2021), sollte auf diese Art auch bei naturschutzfachlichen Arbeiten in der Region geachtet werden.

Danksagung
Mein herzlicher Dank geht an Oliver Böck für die kritische Durchsicht sowie die Bereitstellung von Fotos sowie an Christoph Moning, Julia Wittmann und Martin Wachsmann für Exkursionsbegleitungen. Gedankt sei auch Georg Stahlbauer für Meldungen dieser Art bei "Tagfalter in Bayern" aus dem Raum Bad Birnbach.



Abbildung 3: Männchen der ersten Generation von Lycaena dispar beim Revieransitz auf einem Grashalm. Landkreis Rottal-Inn, 5. Juni 2021 (Foto: Markus Dumke).



Abbildung 4: Weibchen der zweiten Generation beim Blütenbesuch an Wasserdost. Landkreis Rottal-Inn, 25. August 2021 (Foto: Oliver Böck).



Abbildung 5: Habitat am Inn. Die Männchen besetzen hier Reviere zu beiden Seiten des Weges auf Weidengebüschen oder Gräsern. Landkreis Rottal-Inn, 25.8.2021 (Foto: Oliver Böck).



Abbildung 6: Habitat an einer Straßenböschung. Die Ampfer-Pflanze im Bildvordergrund war mit 2 Eiern belegt. Landkreis Passau, 19.9.2021 (Foto: Markus Dumke).

 


Abbildung 7: Larvalhabitat. Acht Eier waren an dieser Pflanze von Rumex crispus aufzufinden. Das herumliegende Holz sorgt hier für ein warmes Mikroklima. Landkreis Passau, 19.9.2021 (Foto: Markus Dumke).

 


Abbildung 8: Die Eier sind aufgrund ihrer Struktur leicht von den Eiern anderer Feuerfalter zu unterscheiden. Sie werden oft in Gruppen von zwei bis vier Eiern abgelegt. Zum Artnachweis empfiehlt sich die gezielte Nachsuche nach Eiern im Spätsommer/Herbst. Landkreis Rottal-Inn, 26.9.2021 (Foto: Markus Dumke).

 


Abbildung 9: Jungraupe auf der Blattunterseite von Stumpfblättrigem Ampfer Rumex obtusifolius. Die Jungraupen verursachen Fensterfraß. Landkreis Rottal-Inn, 26.9.2021 (Foto: Markus Dumke).

Quellen: BfN https://www.bfn.de/artenportraits/lycaena-dispar (zuletzt abgerufen am 03.01.2022). Bräu, M., Bolz, R., Kolbeck, H., Nunner, A., Voith, J., Wolf, W. (2013): Tagfalter in Bayern. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. 784 S. iNaturalist https://www.inaturalist.org/observations/96843239 (zuletzt abgerufen am 30.12.2021). Lepiforum (zuletzt abgerufen am 30.12.2021). https://www.lepiforum.de/2_forum_2017.pl?md=read;id=36341, https://www.lepiforum.de/2_forum_2017.pl?md=read;id=35133, https://www.lepiforum.de/2_forum_2017.pl?md=read;id=33924. LfU Bayern https://www.lfu.bayern.de/natur/sap/arteninformationen/steckbrief/zeige?... (zuletzt abgerufen am 30.12.2021, Stand 26.05.2021). observation.org https://observation.org/observation/212129633/ (zuletzt abgerufen am 30.12.2021). Sage, W. (2019): Ausbreitung und Bestandssituation des Großen Feuerfalters Lycaena dispar (Haworth, 1802) in Südostbayern. Mitteilungen der Zoologischen Gesellschaft Braunau 13:79-82."Tagfalter in Bayern" www.tagfalterbayern.de (Stand 31.12.2021).
Zitatvorschlag: Dumke M. 2022: Neue Nachweise des Großen Feuerfalters Lycaena dispar ([Haworth], 1802) in Südostbayern. Faunistische Mitteilung, Arbeitsgemeinschaft bayerischer Entomologen, website abe-entomofaunistik.org [01.01.2022]


 

Aktuelle Nachweise von Nymphalis xanthomelas ([Denis & Schiffermüller], 1775) in Bayern. Mitgeteilt von Thomas Netter, Walter Mark & Oliver Böck am 23.03.2021

Erstmals seit über 100 Jahren wurde der Östliche Große Fuchs (Nymphalis xanthomelas) wieder in Bayern nachgewiesen. Wie Recherchen für das Online-Portal „Tagfalter in Bayern“ ergaben, konnte W. Mark in den Jahren 2015 und 2019 vier unterschiedliche Individuen dieses seltenen Einwanderers fotografisch dokumentieren. Alle Beobachtungen wurden am Rande der rund 200 ha großen Mainauen nordwestlich von Niedernberg bei Aschaffenburg gemacht. Die Fundstellen befanden sich am langgestreckten süd- bis westexponierten Waldrand und auf den breiten Waldwegen des unmittelbar angrenzenden, lichten Laubmischwald-Areals.
Die ersten beiden Exemplare von Nymphalis xanthomelas fotografierte W. Mark bereits am 05. April 2015. Wenige Tage später am 12. April 2015 fand er an nahezu identischer Fundstelle ein weiteres Exemplar dieser Art. Damit wurden binnen weniger Tage drei unterschiedliche Individuen in den Mainauen bei Niedernberg dokumentiert.

  
Exemplar 1: 05. April 2015

Exemplar 2: 05. April 2015

Exemplar 3: 12. April 2015

Original-Fundorte von allen vier Exemplaren, Aufnahmedatum. 21. März 2021
Alle Fotos: Walter Mark

Alle bisher erbrachten Nachweise aus Bayern waren sehr verstreute Einzelfunde überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Sie stammen aus dem südbayrischen Raum von Starnberg, dem Deininger Filz bei München und der Augsburger Umgebung (Osthelder 1925). In Nordbayern wurde die Art am 17. Juli 1895 bei Schmerlenbach im Spessart beobachtet (Gotthardt 1958). Im Morsbacher Tal in der Südlichen Frankenalb entdeckte M. Krämer Ende Juni 1902 ein Raupennest, das den bisher letzten dokumentierten xanthomelas-Nachweis für Bayern darstellt (Krämer 1911, Bräu et al. 2013).
Im Sommer 2014 fand als Folge einer Massenvermehrung in Russland eine verstärkte Zuwanderung von Nymphalis xanthomelas bis weit nach Mittel- und sogar Westeuropa statt. Obwohl die Hauptwanderroute in einem breiten Streifen quer durch den nord- und mitteldeutschen Raum verlief, wählten einige Exemplare doch etwas südlichere Routenverläufe und erreichten somit unter anderem auch Teile Nordwest-Bayerns. Die Verbreitungskarte in Reinhardt et al. (2020) gibt die aktuellen Nachweise in Deutschland sehr anschaulich wieder.
Dass sich die eingewanderten Tiere auch fortgepflanzt haben, belegt ein Nachweis von G. Lintzmeyer mit 20 Raupen am 10. Juni 2015 im Zeitzer Forst (Hensle & Seizmair 2016). Auch aus dem Drömling im östlichen Niedersachsen ist seit 2017 eine isolierte, reproduzierende Population bekannt, die sehr wahrscheinlich auch auf das Einflugereignis von 2014 zurückzuführen ist. Funde von Eigelegen und Raupennestern gelangen dort in großräumigen niedermoorartigen Bruchwaldstrukturen mit einer reichhaltigen Strauchschicht und großen Vorkommen von Grauweide (Salix cinerea) und Ohrweide (Salix aurita), den dort nachgewiesenen Raupennahrungspflanzen (Rozicki & Mehlau 2018, 2019, eigene Beobachtung Böck 2020).
Ob sich auch in den Mainauen bei Niedernberg eine kleine, erfolgreich reproduzierende Population aus den 2014 eingewanderten Tieren aufgebaut hat, wurde bisher noch nicht näher untersucht. Die Vermutung liegt aber nahe, denn fast vier Jahre später, am 23. März 2019, beobachtete W. Mark an fast identischer Stelle erneut ein Exemplar von Nymphalis xanthomelas. Es handelte sich hierbei um ein gut erhaltenes Weibchen, das bei einer Fehlbalz mit einem Männchen von Nymphalis polychloros fotografiert werden konnte. Grundsätzlich kann aber auch eine Wiederbesiedlung des Gebiets im Sommer 2018 nicht ausgeschlossen werden, wenngleich dies als eher unwahrscheinlich anzusehen ist.

Exemplar 4: 23. März 2019, Fehlbalz eines ♀ von Nymphalis xanthomelas mit einem ♂ von Nymphalis polychloros. Fotos: Walter Mark

Den sicheren Nachweis, dass sich die Art auch in den Mainauen bei Niedernberg erfolgreich reproduziert, könnte eine gezielte Suche nach Präimaginalstadien erbringen. Dabei sollte auch das Dammfeld nordwestlich von Erlenbach und die lichten Waldbereiche nördlich des Sangenbachs am ehemaligen Standortübungsplatz Aschaffenburg miteinbezogen werden, da diese Gebiete ebenfalls potentielle Larvalhabitate beinhalten.

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